Deutschland braucht 53 Gigawatt Wasserstoff-Kraftwerke für die Energiewende bis 2050
Christina JunitzDeutschland braucht 53 Gigawatt Wasserstoff-Kraftwerke für die Energiewende bis 2050
Eine neue Studie skizziert die notwendigen Schritte, damit Deutschland bis 2050 sein Energiesystem vollständig dekabonisieren kann. Die in der Fachzeitschrift Applied Energy 2025 veröffentlichte Untersuchung betont die zentrale Rolle wasserstofftauglicher Gaskraftwerke für die Erreichung dieses Ziels. Die aktuellen Regierungspläne bleiben jedoch hinter den erforderlichen Kapazitäten zurück – mit potenziellen Folgen für künftige Kosten und die Versorgungssicherheit.
Laut der Studie sind mindestens 53 Gigawatt (GW) an wasserstofffähiger Gaskraftwerksleistung nötig, um den Übergang zu bewältigen. Die bisherige deutsche Strategie sieht hingegen nur 12 GW vor – deutlich weniger als empfohlen. Diese Anlagen, die zunächst mit Erdgas betrieben und später auf Wasserstoff umgestellt werden könnten, würden die Systemflexibilität erhöhen und den Bedarf an zusätzlichen Batteriespeichern oder neuen Wind- und Solarparks verringern.
Wasserstofffähige Kraftwerke gelten als Schlüssel für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, insbesondere wenn der CO₂-Preis steigt. Ein hoher CO₂-Preis würde den Rückgang herkömmlicher Gaskraftwerke beschleunigen und gleichzeitig Investitionen in wasserstofftaugliche Infrastruktur fördern. Die Studie warnt zudem, dass ohne diese Flexibilität höhere Kosten oder Risiken für die Energieversorgung drohen.
Bisher wurde in Deutschland noch kein Gaskraftwerk auf Wasserstoffbetrieb umgestellt. Doch gemäß der deutschen Kraftwerksstrategie müssen alle neuen steuerbaren Anlagen bis 2045 wasserstofffähig sein. Der Energieversorger EnBW hat bereits rund 1,6 Milliarden Euro für die Nachrüstung bestehender Anlagen mit Wasserstofftechnologie bereitgestellt.
Die Gesamtkosten für die Transformation des Energiesystems bis 2050 werden auf mindestens 324 Milliarden Euro geschätzt. Trotz der ambitionierten Ziele zeigt die Studie, dass die Dekarbonisierung mit den richtigen Investitionen in flexible Kapazitäten machbar ist.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass Deutschland seine Pläne für wasserstofftaugliche Gaskraftwerke deutlich ausweiten muss. Ohne ausreichende Investitionen könnte der Übergang teurer und weniger sicher werden. Die Studie liefert einen klaren Fahrplan – doch ihr Erfolg hängt von politischen Anpassungen und rechtzeitigen Infrastrukturmodernisierungen ab.






