ARD testet 30-minütige Tagesschau – wird das neue Format überzeugen?
Christina JunitzARD testet 30-minütige Tagesschau – wird das neue Format überzeugen?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startete mit einer 30-minütigen Ausgabe zur Hauptsendezeit, die das übliche 15-Minuten-Format ersetzt. Eine endgültige Entscheidung, ob die verlängerte Sendedauer beibehalten wird, steht noch aus.
Das Experiment zielt darauf ab, harte Nachrichten mit persönlichen, alltagsnahen Geschichten zu verbinden. Kritiker jedoch fragen sich, ob allein die längere Dauer Zuschauer überzeugen oder das Vertrauen in die Medien stärken wird. Die erweiterte Tagesschau ging am Montagabend um 20:15 Uhr auf Das Erste auf Sendung. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn beschrieb das Format als Brücke zwischen globalen Ereignissen und individueller Erfahrung. Er betonte, dass es sich nicht um einen Einzeltest handle, sondern um Teil einer umfassenderen Strategie, das Publikum auf neue Weise anzusprechen.
Die ARD hofft, dass die längere Sendedauer das Vertrauen der Zuschauer stärkt und mehr Menschen erreicht. Der Sender argumentiert, dass die zusätzliche Zeit vertieften Kontext und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation ermöglicht. Doch es gibt auch Skepsis. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung hinterfragte, ob der Versuch, alltagsrelevanter zu werden, den Kernauftrag der Sendung verwässern könnte. Anna Mayr von Die Zeit argumentierte, dass nicht die Dauer, sondern die journalistische Qualität entscheidend sei.
Die Einschaltquoten der klassischen Tagesschau haben sich in den vergangenen fünf Jahren verändert. Der Marktanteil stieg 2021, sank 2023 und erholte sich 2024 – auch dank Sportübertragungen. Bis März 2025 hielt Das Erste 13,3 Prozent der Zuschauer. Bisher deuten jedoch keine Daten auf eine klare Präferenz für das längere Format hin.
Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, kritisierte den Versuch als überflüssig. Er behauptete, 15 Minuten reichten für Nachrichten aus, und warnte, dass ein 30-Minuten-Slot das Primetime-Programm der ARD durcheinanderbringen könnte. Für die Zuschauer ist der Trade-off klar: mehr Informationen im Austausch für mehr Zeit vor dem Bildschirm. Der Test läuft weiter, doch die Zukunft bleibt ungewiss. Die ARD muss Zuschauerfeedback gegen Programmplanung und redaktionelle Bedenken abwägen. Ob die 30-minütige Tagesschau dauerhaft bleibt, hängt davon ab, wie das Publikum in den kommenden Monaten reagiert.






