15 March 2026, 08:23

Zwei Legenden sterben: Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg prägen bis zuletzt den kulturellen Diskurs

Ein Plakat mit einer Person mit kurzen, dunklen Haaren in einem weißen Hemd mit einem ernsten Gesichtsausdruck und der Inschrift "Pan: Eine Satirezeitschrift" in fetter, schwarzer Schrift.

Zwei Legenden sterben: Franz Josef Wagner und Alfred Hilsberg prägen bis zuletzt den kulturellen Diskurs

Franz Josef Wagner, der langjährige Kolumnist hinter *Bilds"Post von Wagner", ist im Alter von 82 Jahren gestorben.* Sein letzter Beitrag erschien am 7. September – nur einen Monat vor seinem Tod am 7. Oktober. Mit seinem scharfen, oft polarisierenden Stil prägte Wagner fast sechs Jahrzehnte lang die deutsche Medienlandschaft auf unverkennbare Weise.

Auch Alfred Hilsberg, eine Schlüsselfigur der Hamburger Underground-Szene, starb kürzlich mit 77 Jahren. Obwohl ihre Welten kaum unterschiedlicher hätten sein können, formten beide Männer auf ihre Weise den kulturellen Diskurs – der eine über die Massenmedien, der andere durch subversiven Aktivismus.

Wagner begann seine Karriere 1966 bei Axel Springer und entwickelte später "Post von Wagner", eine Kolumne, die Kitsch, Provokation und lyrische Eleganz vereinte. Sein Schreiben – mal als Mischung aus Wahnsinn und Genie bezeichnet – sicherte ihm einen Platz im rechtskonservativen Kulturkanon Deutschlands, neben Größen wie James Last oder Fips Asmussen. Trotz aller Kritik wurde die Kolumne zur Institution: Sie bediente sowohl Wagners provokanten Ton als auch die kommerziellen Interessen der Bild.

Doch Wagner schrieb nicht nur unter eigenem Namen. Als Ghostwriter arbeitete er für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Sein katholischer Glaube durchzog oft seine Texte, zuletzt in seiner Kolumne vom 7. September, die er an Carlo Acutis, einen neu heiliggesprochenen Heiligen, richtete. Wie die Kolumne über ihre 22-jährige Laufzeit wirkt oder aufgenommen wurde, bleibt jedoch weitgehend undokumentiert.

Hilsberg hingegen hinterlässt ein ganz anderes Erbe. Als Hamburger Underground-Impresario lehnte er gängige Klischees der Subkultur wie Bier und Haschisch ab. Stattdessen bezeichnete er ausgerechnet die Bild – jenes Blatt, für das Wagner schrieb – als "bewusstseinserweiternde Droge" und forderte die Leser auf, sie kritisch zu konsumieren. Sein Tod folgt nur wenige Wochen auf Wagners – und markiert damit das Ende zweier gegensätzlicher, doch einflussreicher Stimmen.

Mit Wagners Tod schließt sich ein Kapitel für die Bild und die deutsche Medienwelt. Seine Kolumne, so umstritten sie war, hatte jahrzehntelang treue Leser. Und auch Hilsbergs Ableben hinterlässt eine Lücke in der Underground-Kultur, die er mitgeprägt hat.

Öffentliche Aufzeichnungen, wie "Post von Wagner" Gesellschaft, Kunst oder Politik über die Jahre beeinflusste, sucht man vergeblich. Geblieben sind die Kolumnen selbst – und die Debatten, die sie entfachten.

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