26 April 2026, 12:35

Streit um Hochhaus über NS-belasteter Lederfabrik in München: Modernisierung oder Denkmalschutz?

Eine Seite aus einem Buch mit detaillierten Zeichnungen verschiedener Gebäude mit unterschiedlichen Architekturstilen, begleitet von beschreibendem Text über ihre Geschichte.

Streit um Hochhaus über NS-belasteter Lederfabrik in München: Modernisierung oder Denkmalschutz?

Neubau mit zwölf Stockwerken könnte bald über historischer Lederfabrik in Münchens Schwabing-Freimann aufragen

Ein gläsernes Hochhaus mit geschwungener Fassade, entworfen vom Architekturbüro OSA, soll künftig über der ehemaligen Ziegelfabrik am Mittleren Ring thronen – doch das Projekt stößt trotz politischer Unterstützung auf Widerstand von Denkmalschützern.

Die Geschichte des Geländes ist belastet: Die jüdische Besitzerin der Fabrik, Ilse Hesselberger, wurde 1941 deportiert und ermordet. Später diente das Gebäude in der NS-Zeit als "Ausbildungsstätte für jüdische Jugend".

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Der geplante Neubau würde die unter Denkmalschutz stehende Hesselberger-Lederfabrik grundlegend verändern. Während die Münchner Gestaltungsbeiräte und der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann das Vorhaben befürworten, lehnen Denkmalschützer es ab. Baureferentin Elisabeth Merk schlägt zwei Alternativen vor: entweder einen vollständigen Verzicht auf den Bau oder einen Architekturwettbewerb zur Neugestaltung.

In der Nähe entstehen unterdessen zwei weitere Gebäude – ein Hotel und ein Boardinghouse – neben dem ehemaligen Siemens-Hochhaus in Obersendling. Gleichzeitig werden Apple-Mitarbeiter künftig einen schmalen Durchgang an der Nymphenburger Straße nutzen, um von der U-Bahn-Station Stiglmaierplatz zu ihrem neuen Campus zu gelangen.

Auch am Isarring 11 könnte sich ein Hochhausprojekt entwickeln: Ein 900 Quadratmeter großer Parkplatz neben dem geschützten Fabrikgebäude steht zur Diskussion. Die Israelitische Kultusgemeinde ist in die Gespräche eingebunden, da der Ort eine traurige jüdische Geschichte unter den Nationalsozialisten hat. Die Fabrik diente einst als Zwangsausbildungsstätte für jüdische Jugendliche, bevor Hesselberger deportiert wurde.

Die Debatte um das Hochhaus in Schwabing-Freimann bleibt unentschieden. Sollte das Projekt genehmigt werden, entstünde ein modernes Wahrzeichen über einem historisch hochsensiblen Ort. Die endgültige Entscheidung wird zeigen, ob die Gegend eine neue Entwicklung erlebt oder ihre Vergangenheit auf andere Weise bewahrt.

Quelle