25 April 2026, 18:26

Streit um Arzneimittelversorgung: Wer hat recht – Krankenkassen oder Pharmaindustrie?

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikanern zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Streit um Arzneimittelversorgung: Wer hat recht – Krankenkassen oder Pharmaindustrie?

Auf der Jahreskonferenz des Handelsblatts entbrannte eine hitzige Debatte über die Widerstandsfähigkeit der Arzneimittelversorgung in Europa. Vertreter der Pharmaindustrie und Krankenversicherer gerieten über die Themen Bevorratung, Handelsabkommen und die Risiken der Abhängigkeit von ausländischer Produktion aneinander.

Führungskräfte aus Pharmaunternehmen und Krankenkassen tauschten scharfe Meinungen darüber aus, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten zu sichern. Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die von der Regierung geplante sechsmonatige Reserve als unzureichend. Er forderte die Behörden auf, realistische Krisenszenarien zu definieren, um die Vorbereitung auf Notfälle zu verbessern. Seine Äußerungen erfolgten, während Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse betonten, das Bevorratungsziel sei bereits erreicht.

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Tim Steimle, Leiter des Pharmabereichs bei der Techniker Krankenkasse, unterstützte die Sechs-Monats-Reserve nach der Analyse von 47 Prozent der Lieferkette. Zudem wies er darauf hin, dass Rabattverträge zunehmend in umfassendere Versorgungsvereinbarungen überführt worden seien – mit Ausnahme von Kinderarzneimitteln. Steimle begrüßte zudem das geplante Freihandelsabkommen mit Indien als "positiven Schritt".

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), argumentierte, dass die Bevorratung von Generika wirtschaftlich wenig sinnvoll sei. Er betonte, dass Gesundheits-, Industrie- und Sicherheitspolitik heute untrennbar miteinander verknüpft seien. Vor Selbstzufriedenheit warnte er und verwies auf die Halbleiterkrise als Beleg für die Verwundbarkeit Europas in globalen Lieferketten.

Thomas Weigold, Deutschlandchef von Sandoz/Hexal, forderte eine größere Unabhängigkeit in der Arzneimittelproduktion. Das geplante Handelsabkommen mit Indien bezeichnete er als "absurd" und warnte, es werde die europäische Widerstandsfähigkeit bei Generika schwächen. Branchenvertreter teilten seine Bedenken und wiesen auf dringenden Investitionsbedarf hin, um die Abhängigkeit von Drittstaaten bei Antibiotika und essenziellen Medikamenten zu verringern.

Die Konferenz offenbarten tiefe Gräben in der europäischen Arzneimittelsicherheitsstrategie. Während die Krankenkassen die bestehenden Reserven verteidigen, fordern die Hersteller eine stärkere heimische Produktion und klarere Notfallpläne. Nun stellt sich die Frage, ob die Politik auf diese Warnungen reagiert – oder am bisherigen Kurs festhält.

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