Rébecca Chaillons Die Parabel des Säure feiert fette Körper als radikale Kunstform
Laura ThanelRébecca Chaillons Die Parabel des Säure feiert fette Körper als radikale Kunstform
Rébecca Chaillons neueste Produktion Die Parabel des Säure versammelt sieben Performende, die sich mit den Komplexitäten von Fettsein und körperlicher Identität auseinandersetzen. Das fast dreistündige Stück lässt sich von Octavia Butlers Roman Die Parabel der Säerin inspirieren und lotet die Kraft des Glaubens im Alltag aus.
Im Mittelpunkt der Aufführung steht eine Gemeinschaft von Menschen, die sich als fett identifizieren und sich mit gesellschaftlichen Zuschreibungen an ihre Körper konfrontieren. Sie entschuldigen sich für ihr Aussehen, teilen Geschichten von körperlicher Gewalt, Essanfällen und körperlichem Leid und erzählen von ihren Erfahrungen als Heranwachsende in den Pariser Banlieues.
Auf der Bühne tragen die Performenden buttergelbe Roben und goldene Unterwäsche. Sie klettern über Berge aus Butter, stellen selbst Butter her und inszenieren Szenen aus The Biggest Loser, wobei sie sich gegenseitig mit Gelee übergießen. An einer Stelle verteilt Julie Teuf Butter an das Publikum und lädt es ein, davon zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen.
Den Höhepunkt bildet eine Szene, in der die Performenden übertriebene Bodybuilder-Posen einnehmen. Regisseurin Rébecca Chaillon – die sich selbst als „schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt – verortet das Stück als kühne Stellungnahme im französischen Kulturdiskurs.
Die Produktion stellt Normen infrage, indem sie fette Körper ins Zentrum rückt. Durch persönliche Bekenntnisse und symbolische Akte zwingt sie das Publikum, sich mit Themen wie Akzeptanz und Verwandlung auseinanderzusetzen. Mit ihrer kompromisslosen Erforschung von Identität hinterlassen die Performenden einen bleibenden Eindruck.






