Neues Theater Senftenberg trennt sich überraschend von Intendant Daniel Ris
Christoph Koch IINeues Theater Senftenberg trennt sich überraschend von Intendant Daniel Ris
Das Neue Theater Senftenberg hat beschlossen, den Vertrag von Daniel Ris als Intendant nach dessen Auslaufen 2027 nicht zu verlängern. Diese Entscheidung fällt trotz seiner Erfolge bei der Steigerung des Profils und der Einnahmen des Theaters. Über die Gründe wird weiterhin spekuliert – konkrete Vorwürfe sind bisher nicht öffentlich gemacht worden.
Unter der Leitung von Daniel Ris hat das Neue Theater Senftenberg wieder regionale Aufmerksamkeit erlangt, wie einst zu Zeiten der DDR. Sein innovativer Ansatz umfasste hochkarätige Saisoneröffnungen an historischen Stätten, die größere Zuschauerzahlen anzogen und die Eigenmittel des Theaters erhöhten. Die jüngste Produktion bot eine lebhafte Debatte über die Sportkultur in der DDR und heute – eine Mischung aus traditionellen Volkssportarten, Geschichten über Radsporttalente und beißender Satire. Die Aufführung karikierte das militärische Sporttraining der DDR, spielte auf Dopingskandale an und hinterfragte den Preis schonungslosen Leistungsstrebens.
Die Theaterleitung hat keine Gründe für die Nichtverlängerung von Ris' Vertrag genannt. Manche vermuten, dass seine klare Haltung gegen rechtsextreme Politik oder sein unkonventionelles Wesen eine Rolle spielten. Andere verweisen auf strukturelle Probleme, etwa die geplante Trennung von künstlerischer und kaufmännischer Führung oder die Spannungen in der von der AfD geprägten Region Senftenberg. Offizielle Stellen bestreiten Ris' Führungsqualitäten und Teamfähigkeit, behaupten sogar, er habe dem Theater einen finanziellen Schaden von 250.000 Euro zugefügt – ohne jedoch Belege vorzulegen.
Ris selbst zeigt sich frustriert, bleibt aber auf seine Arbeit konzentriert. Er bereitet seine vierte Spielzeit am Theater vor und lotet gleichzeitig neue Möglichkeiten aus, darunter sein erstes Vorstellungsgespräch seit der Entscheidung.
Die Stadt und der Landkreis wollen die Stelle des Intendanten nun neu ausschreiben. Ris' Abgang wirft Fragen zur zukünftigen Ausrichtung des Theaters und zum Einfluss politischer Strömungen auf Kultureinrichtungen auf. Seine letzten Spielzeiten dürften mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet werden, während der Übergang gestaltet wird.






