KRITIS-Dachgesetz verabschiedet – doch die Umsetzung bleibt unklar und riskant
Christoph Koch IIKRITIS-Dachgesetz verabschiedet – doch die Umsetzung bleibt unklar und riskant
Bundestag verabschiedet KRITIS-Dachgesetz – Experten warnen vor Umsetzungslücken
Am 10. September 2025 hat der Deutsche Bundestag das KRITIS-Dachgesetz verabschiedet, das die Sicherheit kritischer Infrastrukturen stärken soll. Doch Fachleute warnen vor einer Kluft zwischen gesetzlichen Vorgaben und der praktischen Umsetzung. Viele Betreiber – insbesondere in öffentlichen oder kommunalen Einrichtungen – kämpfen noch immer mit grundlegenden Sicherheitsmängeln.
Das neue Gesetz verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen, physische Schutzmaßnahmen einzuführen und Resilienzstrategien zu entwickeln. Unternehmen müssen nun gefährdete Bereiche identifizieren, Risikoanalysen durchführen und Schutzkonzepte umsetzen. Zudem sind sie verpflichtet, Sicherheitsvorfälle zu dokumentieren, um die Compliance zu gewährleisten.
Doch während das KRITIS-Dachgesetz festlegt, was zu tun ist, bleibt unklar, wie die Anforderungen konkret erfüllt werden sollen. Diese Unschärfe stellt besonders kleinere Unternehmen vor Herausforderungen und lässt manche Infrastrukturen in einer rechtlichen Grauzone. Markus Weidenauer, Geschäftsführer der SecCon Group, betont die Diskrepanz zwischen politischem Willen, gesetzlichen Regelungen und der praktischen Umsetzung.
Moderne Angriffe auf kritische Infrastrukturen sind längst keine zufälligen Vorfälle mehr, sondern hochprofessionell, oft staatlich gesteuert und über Jahre hinweg geplant. Die Täter sammeln im Vorfeld gezielt Informationen – etwa durch Vor-Ort-Aufklärung oder die Anwerbung von Insidern. Reine technische Abwehrmaßnahmen reichen nicht aus, um alle Bedrohungen abzuwehren; Experten fordern einen ganzheitlichen, mehrschichtigen Ansatz.
Bisher wird in Deutschland jedoch zu wenig auf verdeckte Sicherheitsaufklärung gesetzt – etwa durch Undercover-Ermittler. Dadurch bleibt die frühzeitige Erkennung möglicher Angriffe begrenzt, und kritische Systeme sind langfristigen Risiken ausgesetzt.
Das KRITIS-Dachgesetz ist ein wichtiger Schritt zur Absicherung der lebenswichtigen Infrastrukturen Deutschlands. Sein Erfolg hängt jedoch davon ab, wie gut es den Betreibern gelingt, die gesetzlichen Vorgaben in wirksame Maßnahmen umzusetzen. Ohne klarere Handlungsanweisungen und eine stärkere Ausrichtung auf nachrichtendienstliche Methoden könnten systemische Schwachstellen bestehen bleiben.






