27 March 2026, 08:24

Kratzers provokante Neuinszenierung an der Hamburger Staatsoper spaltet das Publikum

Ein Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" geöffnet auf einer Seite mit Text und einem Logo.

Kratzers provokante Neuinszenierung an der Hamburger Staatsoper spaltet das Publikum

Die Hamburger Staatsoper präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri, inszeniert von ihrem designierten Intendanten Tobias Kratzer. Das Oratorium, ursprünglich inspiriert von einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh, wurde mit provokanten modernen Themen neu interpretiert. Das Publikum reagierte mit einer Mischung aus Buhrufen und begeistertem Applaus – und feierte letztlich Kratzers kühnen Ansatz.

Robert Schumann und Emil Flechsig komponierten das Oratorium in den 1840er-Jahren, basierend auf der Geschichte der Peri, eines engelhaften Wesens, das nach einem Geschenk sucht, um ins Paradies zu gelangen. Kratzers Inszenierung jedoch verlagert den Fokus auf heutige Konflikte: Szenen von Krieg, Seuchen und sogar der Klimakrise werden eingewoben. In einem eindringlichen Moment wird der sterbende Jüngling – ein schwarzer Mann, der sich einem Herrscher widersetzte – zum Symbol des Widerstands, während Bühnenblut ein kollektives Gewaltverbrechen markiert.

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Die Regie bricht mit traditionellen Grenzen: Das Saallicht flutet den Zuschauerraum, Kameras schwenken über das Publikum, die vierte Wand löst sich auf. Vera-Lotte Boecker als Peri steigt sogar in die Ränge, setzt sich neben eine weinende Zuschauerin und verkörpert so die Empathie als Schlüssel zum Paradies. Der dritte Akt nimmt eine düstere Wendung: Kinder spielen unter einer verschmutzten Kuppel – eine klare Anspielung auf den ökologischen Kollaps.

Kratzers Debüt als Intendant deutet auf eine neue Ausrichtung des Hauses hin. Er hat versprochen, die Oper für die breitere Hamburger Gesellschaft zugänglicher zu machen – mit innovativen Musiktheaterabenden und einem Programm, das Konventionen herausfordert.

Die Premiere markierte Kratzers erstes großes Projekt an der Spitze der Staatsoper, in dem er Schumanns Partitur des 19. Jahrhunderts mit drängenden zeitgenössischen Themen verbindet. Seine immersive Bühnenführung und die direkte Einbindung des Publikums setzen einen provokanten Ton für seine Amtszeit. Die Produktion, entstanden in Zusammenarbeit mit GMD Omer Meir Wellber und dem Chor, lässt keinen Zweifel: Die Hamburger Staatsoper betritt eine mutige, experimentelle Phase.

Quelle