Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein radikaler Protest gegen Markenmacht
Christoph Koch IIJoe Lycett wird zu Hugo Boss – ein radikaler Protest gegen Markenmacht
Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – als Protest gegen die aggressive Durchsetzung von Markenrechten durch das Modeunternehmen. Der Schritt folgt auf eine Reihe von Abmahnungen, mit denen der Luxuskonzern kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen bedrängt hat, die das Wort "BOSS" in ihren Namen führen.
Hugo Boss, 1924 gegründet, blickt auf eine lange Geschichte zurück – darunter auch eine dunkle Vergangenheit. Während des Zweiten Weltkriegs fertigte das Unternehmen SS-Uniformen für die Nazis unter Zwangsarbeit. Der Firmengründer war bekanntes Mitglied der NSDAP und Unterstützer Adolf Hitlers. 2011 entschuldigte sich die Marke öffentlich für das Leid, das in ihren Kriegsfabriken verursacht wurde.
Heute ist Hugo Boss ein globaler Riese mit über 14.000 Beschäftigten in 127 Ländern. Allein 2018 erzielte das Unternehmen mit seinen 439 Filialen einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Pfund. Doch trotz seiner Größe geht der Konzern gezielt gegen kleinere Organisationen vor, die das Wort "BOSS" nutzen.
Die Brauerei Boss Brewing in Swansea musste tausende Pfund für Anwaltskosten und eine Umfirmierung aufbringen, nachdem sie eine Abmahnung erhalten hatte. Die Wohltätigkeitsorganisation DarkGirlBoss sah sich mit ähnlichen Drohungen konfrontiert, als sie versuchte, ihren Namen als Marke eintragen zu lassen. Nun hat Lycett einen radikalen Schritt gewagt: Er nahm offiziell den Namen des Konzerns an, um auf das Problem aufmerksam zu machen.
Der Komiker plant, in seiner Show Got Your Back ein neues Produkt unter seinem neuen Namen auf den Markt zu bringen. Lycetts Namensänderung setzt Hugo Boss unter Druck, seine juristische Vorgehensweise zu überdenken. Die Geschichte des Modeunternehmens und seine aktuellen Maßnahmen haben Kritik ausgelöst, während kleine Betriebe weiterhin unter den finanziellen Belastungen durch Markenrechtsstreitigkeiten leiden. Der Protest des Komikers wird die Debatte voraussichtlich weiter in der Öffentlichkeit halten.






