Haus der Kulturen der Welt steckt nach Konzert-Skandal in der tiefsten Krise seiner Geschichte
Christoph Koch IIHaus der Kulturen der Welt steckt nach Konzert-Skandal in der tiefsten Krise seiner Geschichte
Das Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer tiefen Krise, nachdem ein abgesagtes Konzert eine Welle der Empörung auslöste. Das einstige Zentrum für internationale Künstler kämpft nun mit Boykotten und politischer Vernachlässigung. Der Streit begann, als der schwäbische Rapper Chefket seinen Auftritt kurzfristig absagen musste – wegen seiner Kleidungswahl.
2023 hatte der kamerunische Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung die Leitung des HKW übernommen und es damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung gemacht, die vollständig von People of Color geführt wird. Sein Fokus auf postkoloniale Themen stieß jedoch in Teilen der deutschen Kunstszene auf Kritik.
Die jüngste Eskalation begann im Mai, als Chefket im HKW auftreten sollte. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina", arabischer Kalligrafie und einer Umrisslinie, die an die Grenzen Israels erinnerte. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer griff ein – die Folge: Das Konzert wurde abgesagt. Die Entscheidung löste einen Shitstorm aus, und aus Solidarität sagten alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab.
Die Folgen beschädigen den internationalen Ruf des Hauses. Selbst internationale Acts wie der haitianische Saxophonist Jowee Omicil, der erst kürzlich dort spielte, könnten künftige Auftritte überdenken. Die Probleme des HKW fallen zudem in eine Zeit, in der die Bundesförderung für grenzüberschreitende Kunstprojekte drastisch gekürzt wurde: Allein der Etat für die Internationale Koproduktionsförderung wurde 2024 um 50 Prozent gestrichen, was zu zahlreichen Absagen führte.
Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts wurde das HKW von der Bundespolitik lange ignoriert. Eine geplante Ausstellung des TV-Satirikers Jan Böhmermann, die Aufmerksamkeit auf die Institution lenken sollte, droht nun im Schatten des anhaltenden Streits unterzugehen.
Das abgesagte Konzert hat das HKW isoliert zurückgelassen – kein deutscher Künstler ist mehr bereit, dort aufzutreten. Kürzungen und politische Gleichgültigkeit verschärfen die Lage. Ohne eine Lösung steht die Rolle des Hauses als kulturelle Brücke zwischen Deutschland und der Welt auf dem Spiel.






