Europas digitale Abhängigkeit von US-Techgiganten erreicht Rekordwert von 90 Prozent
Laura ThanelEuropas digitale Abhängigkeit von US-Techgiganten erreicht Rekordwert von 90 Prozent
Europas Abhängigkeit von US-Techgiganten hat fast 90 Prozent erreicht – und wirft Fragen nach der digitalen Souveränität auf. Gleichzeitig warnen Expert:innen, dass eine unkontrollierte Digitalisierung Demokratie und Arbeitsplätze auf dem gesamten Kontinent gefährden könnte. Eine aktuelle Veranstaltung in Deutschland rückte diese Herausforderungen in den Fokus, lockte ein volles Haus und entfachte Debatten über die Zukunft des digitalen Europas.
Der Publizist und Medienexperte Michael G. Moehnle sprach vor einem gut gefüllten Saal im Club 52ProUnterallgäu in Sontheim. In seinem Vortrag ging es darum, wie die Digitalisierung Gesellschaft und Demokratie umgestaltet – mit besonderem Augenmerk auf die Risiken undurchsichtiger Algorithmen in sozialen Medien. Diese Algorithmen, so Moehnle, könnten die Spaltung der Gesellschaft vertiefen und Radikalisierung fördern – und damit die demokratische Stabilität untergraben.
Das Ausmaß der US-Dominanz im Tech-Bereich unterstrichen aktuelle Zahlen: Die Plattformen des Meta-Konzerns – Instagram mit 2 Milliarden Nutzer:innen und Facebook mit über 3 Milliarden – erreichen 87 Prozent der Weltbevölkerung. YouTube mit 2,7 Milliarden Nutzer:innen festigt diesen Einfluss weiter. Europas starke Abhängigkeit von diesen Unternehmen macht den Kontinent verwundbar – die Forderungen nach mehr digitaler Souveränität werden lauter.
Doch auch Deutschlands eigener digitaler Fortschritt hinkt hinterher. Im EU-Vergleich liegt die Bundesrepublik bei E-Government nur auf Platz 21 von 27 Mitgliedstaaten – ein klares Signal für dringenden Handlungsbedarf. Gleichzeitig birgt die Digitalisierung Chancen: Eine beschleunigte Transformation könnte bis 2030 ein Viertel der benötigten CO₂-Einsparungen Deutschlands liefern. Zugleich droht durch Automatisierung der Verlust von 37 Prozent der Arbeitsplätze hierzulande, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt.
Die EU hat bereits mit neuen Digitalvorschriften auf diese Entwicklungen reagiert. Kritiker:innen fordern jedoch weitere Schritte, um die Macht der großen Plattformen einzudämmen. Landrat Alex Eder dankte Moehnle und dem Veranstalter ProNah und bezeichnete die digitale Zukunft Europas als ein "höchst aktuelles Thema", das sofortige Aufmerksamkeit erfordere.
Die Veranstaltung in Sontheim lenkte den Blick auf die digitalen Schwachstellen Europas. Während US-Techkonzerne weite Teile der digitalen Wirtschaft kontrollieren, steht die EU unter Druck, ihre eigenen Kapazitäten zu stärken. Die Herausforderung besteht nun darin, Innovation und Regulierung in Einklang zu bringen – sodass die Digitalisierung Demokratie, Arbeitsplätze und Klimaziele fördert, ohne die Abhängigkeit von ausländischen Plattformen weiter zu vertiefen.






