CISPA in Saarbrücken: Verdacht auf chinesische Wissenschaftsspionage erschüttert Forschungszentrum
Christina JunitzCISPA in Saarbrücken: Verdacht auf chinesische Wissenschaftsspionage erschüttert Forschungszentrum
Das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken steht unter dem Verdacht, in chinesische Wissenschaftsspionage verwickelt zu sein. Eine Untersuchung des Handelsblatts deckte enge Verbindungen zwischen dem Institut und chinesischen Forschenden auf – und wirft damit Fragen nach möglichen Abflüssen von Daten und Fachwissen auf. Die Landesregierung des Saarlands hat nun eine externe Prüfung angeordnet, um die Vorwürfe zügig und transparent aufzuklären.
Noch vor wenigen Jahren galt das CISPA als Aushängeschild der saarländischen Forschungslandschaft. Seit seiner Gründung 2011 und der Aufnahme in die Helmholtz-Gemeinschaft 2019 hat es sich zu einem der wichtigsten Zentren für IT-Sicherheitsforschung entwickelt. Aktuell befindet sich ein Neubau im Wert von 350 Millionen Euro in der Planung.
Die Recherchen förderten zutage, dass in einer Forschungsgruppe des CISPA 18 von 19 Mitgliedern chinesischer Herkunft waren. Eine weitere Gruppe bestand sogar ausschließlich aus Wissenschaftler:innen aus China. Diese Erkenntnisse nährten Zweifel an den Schutzmechanismen des Instituts gegen ausländischen Einfluss.
Institutsleiter Michael Backes wies Vorwürfe mangelnder Absicherung gegen chinesische Infiltration zurück. Dennoch akzeptierte er eine vorläufige Suspendierung, bis die Untersuchung durch einen unabhängigen Sonderprüfer abgeschlossen ist. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (Saarland) betonte, die externe Überprüfung sei der „zuverlässigste und schnellste Weg“, um die Vorwürfe aufzuklären.
Das Bundesforschungsministerium, das 90 Prozent des CISPA-Budgets finanziert, will abwarten, bis die Prüfergebnisse vorliegen, bevor es Stellung bezieht. Die Sonderprüfung soll klären, ob die Kooperationen des CISPA Sicherheitsprotokolle gefährdet haben. Ihre Ergebnisse werden sowohl für die Landesregierung als auch für das Bundesministerium richtungsweisend sein – und damit über den Ruf sowie die künftige Förderung des Instituts entscheiden.
