Böhmermanns provokante Kunstschau im HKW polarisiert mit Satire und Tabubrüchen
Christoph Koch IIBöhmermanns provokante Kunstschau im HKW polarisiert mit Satire und Tabubrüchen
"Die Möglichkeit der Irrationalität": Jan Böhmermanns provokante Schau im Berliner Haus der Kulturen der Welt
Im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) ist derzeit "Die Möglichkeit der Irrationalität" zu sehen – eine mutige neue Ausstellung von Jan Böhmermann. Lässig gekleidet, führte der Künstler die Besucher am Eröffnungstag persönlich durch die Räume. Die Schau, eine Erweiterung seines satirischen TV-Formats "ZDF Magazin Royale", verwandelt scharfe Medienkritik in ein immersives, interaktives Erlebnis.
Ursprünglich sollte die Ausstellung am 7. Oktober ein Konzert des Rappers Chefket umfassen. Doch der Auftritt wurde abgesagt, nachdem Böhmermann angekündigt hatte, jeden Künstler aus dem Programm zu nehmen, der den Holocaust relativiere. Bedenken wegen möglicherweise antisemitischer Textpassagen führten zur Streichung – und damit zum kompletten Wegfall des musikalischen Teils der Schau.
Im Inneren dominieren provokante Installationen den Raum. Eine aufblasbare, halb im Teich versunkene Freiheitsstatue dient Böhmermann als Kommentar zum Zustand der US-Demokratie. Daneben thront eine Butterbüste des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl, umgeben von sogenannten "Trophäen der Schurken" – darunter Donald Trumps Haarkur mit Eigenmarke und Handtücher mit aufgestickten Hasen, die angeblich dem Tycoon René Benko gehören.
Durch ein Dachfernrohr können Besucher eine gespiegelte Projektion von Kanzler Friedrich Merz bei der Arbeit beobachten. Streng verboten sind Fotos – die Ausstellung unterbindet jede digitale Reproduktion der Werke. Vor dem Gebäude sorgte die für 2025 geplante Konzertreihe im Rahmen der Schau für politische Diskussionen. Während einige Politiker eine mögliche Instrumentalisierung der Kultur kritisierten, bestätigten die Verantwortlichen letztlich die Kunstfreiheit – die Ausstellung blieb unangetastet.
Kuriert von Böhmermann und seiner "Royal Group", läuft "Die Möglichkeit der Irrationalität" noch bis zum 19. Oktober. Die Absage des Konzertprogramms markiert eine deutliche Abkehr vom ursprünglichen Konzept. Doch die Mischung aus Satire, Interaktivität und politischer Provokation sorgt weiterhin für Aufmerksamkeit – und Kontroversen.






