Autobranche warnt: Klimawende scheitert an Bürokratie und Lademangel
Christina JunitzAutobranche warnt: Klimawende scheitert an Bürokratie und Lademangel
Führungskräfte aus der deutschen Automobilbranche fordern schnellere Maßnahmen, um die Wende hin zu klimaneutraler Mobilität voranzutreiben. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), betonte, dass Reformen nicht länger aufgeschoben werden dürften, wenn Deutschland Arbeitsplätze, Innovation und globale Wettbewerbsfähigkeit sichern wolle. Gleichzeitig warnte Imelda Labbé, Präsidentin des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), dass Lücken bei der Ladeinfrastruktur und steigende Kosten den Fortschritt bremsen könnten.
Auf einer Branchenveranstaltung begrüßte Müller jüngste Regierungszusagen, Bürokratie abzubauen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und technologieneutrale Politiken zu verfolgen. Sie argumentierte, dass Klimaneutralität nicht allein auf Elektrifizierung setzen dürfe, und bezeichnete E-Fuels, Wasserstoff und Brennstoffzellen als ebenso entscheidend. Ohne diese Alternativen, so ihre Warnung, werde der Wandel weder die ökologischen noch die wirtschaftlichen Ziele erreichen.
Müller verwies zudem auf die grundlegende Bedeutung von Mobilität für den Alltag, die sie als "Freiheit, Teilhabe und Lebensqualität" beschrieb. Ihre Äußerungen fielen mit der Veröffentlichung einer VDA-Umfrage zusammen, der zufolge viele mittelständische Unternehmen aufgrund der Unsicherheiten bei der klimaneutralen Mobilität Investitionen verschieben oder ins Ausland verlagern.
Labbé teilte die Bedenken hinsichtlich der Bezugsfähigkeit und forderte, dass Elektrofahrzeuge im Kauf und Unterhalt nicht teurer werden dürften als Modelle mit Verbrennungsmotor. Zudem kritisierte sie die ungleiche Verteilung der Ladeinfrastruktur: Ländliche Regionen in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern seien besonders unterversorgt. Selbst Großstädte wie München kämen mit dem Ausbau kaum nach. Zwar seien in den vergangenen drei Jahren rund 150.000 neue Ladesäulen hinzugekommen, doch Labbé forderte gezielte Fördermittel, um die bestehenden Lücken zu schließen.
Beide Verbandschefinnen waren sich einig: Ohne zügige Reformen und eine bessere Infrastruktur drohe Deutschland im Wettbewerb um nachhaltige Mobilität den Anschluss zu verlieren.
Die Warnungen kommen zu einer Zeit, in der Deutschland seine Klimaziele erreichen will, ohne die Stärke der Automobilindustrie zu gefährden. Seit 2023 wurden zwar etwa 150.000 neue Ladestationen installiert, doch in ländlichen Gebieten bleibt die Abdeckung unzureichend. Die Branchenverbände fordern nun schnelleres Handeln, um Kapitalabfluss zu verhindern, faire Kosten zu gewährleisten und das Ladenetz flächendeckend auszubauen.






