Wiener Festwochen 2024 starten mit provokantem Mishima-Drama über Lust am Tod
Christoph Koch IIWiener Festwochen 2024 starten mit provokantem Mishima-Drama über Lust am Tod
Die Wiener Festwochen 2024 eröffneten mit einer kühnen Auseinandersetzung mit Leben, Tod und dem Makabren. Am Donnerstag, dem 3. April, feierte Angélica Liddells neues Werk Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder Die Lust am Sterben im Volkstheater Premiere. Die Produktion ist Teil eines umfangreichen Festivalprogramms, zu dem auch Stücke wie Mythen des Alltags und Pfingstspiel zählen.
Liddells Performance taucht ein in das Leben und den Tod fremder Menschen – oft durch deren zurückgelassene Kleidung. Inspiriert ist das Stück von einer eigenen Erfahrung der Künstlerin: Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Über zwei Stunden hinweg entwickelt sich die Aufführung zu einer Rechtfertigung des Suizids als persönliche Entscheidung.
Ein prägender Moment der Inszenierung ist die eindringliche Nachstellung des rituellen Suizids des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, bekannt als Seppuku. Mishima hatte seinen eigenen Tod auf ähnliche Weise inszeniert. Auf der Bühne vermischen Liddell und eine weitere Performerin ihr (künstliches) Blut und spritzen es auf eine Leinwand – ein bildgewaltiges, konfrontatives Spektakel. Momente der Ekstase, schwarzer Humor und selbstbezogene Lust durchziehen die Vorstellung und verflechten sich zu einer vielschichtigen Thematik.
Die Premiere setzt einen provokanten Auftakt für das Festival. Liddells Werk fordert das Publikum mit seiner schonungslosen Darstellung von Tod und existenziellen Fragen heraus. Die Wiener Festwochen bleiben ihrem Ruf treu, mutige Inszenierungen zu zeigen, die künstlerische Grenzen sprengen.






