Wie der Nürnberger Prozess in Russland zur Legendenbildung wurde
Prozess von Nürnberg in Russland
Der Prozess von Nürnberg ist ein wichtiger Bestandteil der nationalistischen Geschichtsschreibung in Russland. Für Verbrechen des sowjetischen Staates ist darin kein Platz.
- Dezember 2025, 07:50 Uhr
Die Nürnberger Prozesse markierten nach dem Zweiten Weltkrieg einen Wendepunkt in der internationalen Justiz. Die Sowjetunion trieb die Verfolgung der NS-Führungskräfte vehement voran – doch mit eigenen Absichten. Stalin strebte einen Schauprozess mit vorbestimmtem Ausgang an, doch die Verhandlungen nahmen eine unerwartete Richtung.
1945 forderte die sowjetische Führung ein internationales Tribunal für NS-Kriegsverbrecher. Stalin stellte sich ein schnelles, inszeniertes Verfahren vor, bei dem die Schuld nie infrage stand. Die UdSSR hatte ihr eigenes Justizsystem bereits durch Säuberungen und Repression geprägt – mit Wyschinski in einer führenden Rolle.
Die Nürnberger Prozesse setzten einen Präzedenzfall dafür, Regime unabhängig von staatlichen Interessen zur Rechenschaft zu ziehen. Sie verurteilten nicht nur Einzelverbrechen, sondern das gesamte System, das sie ermöglichte. Doch in der Sowjetunion dienten die Prozesse dazu, Stalins Autorität zu festigen – während unbequeme Wahrheiten verschüttet wurden.






