Wenders' Falsche Bewegung löst neue Debatte über Grenzen der Filmkunst aus
Laura ThanelWenders' Falsche Bewegung löst neue Debatte über Grenzen der Filmkunst aus
Eine Debatte über Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975 flammte erneut auf, nachdem der Regisseur Nastassja Kinskis Bitte abgelehnt hatte, eine halbnackte Szene mit ihr als Dreizehnjährige zu entfernen. Die Kontroverse gewann an Fahrt, nachdem der Film im Frankfurter Filmmuseum gezeigt worden war und Wenders sich bei den Deutschen Filmpreisen dazu geäußert hatte. Kinski hatte jahrelang auf die Streichung der Szene gedrängt, doch erst nach seiner öffentlichen Absage fand ihr Anliegen breite Beachtung.
Die problematische Rezeption des Films geriet im März erneut in den Fokus, als er im Rahmen einer Wenders-Retrospektive aufgeführt wurde. Kinskis langjährige Bemühungen, die Szene nachträglich schneiden zu lassen, waren zuvor kaum wahrgenommen worden. Nach der öffentlichen Kritik entschuldigte sich Wenders bei ihr und zog den Film aus dem Verkehr – doch die grundsätzliche Frage, wie mit solchem Material umgegangen werden soll, blieb bestehen.
Schauspielerinnen mit ähnlichen Erfahrungen meldeten sich zu Wort. Natalie Portman, die als Teenager in Léon – Der Profi mitspielte, erinnerte sich an verstörende Fanpost und eine Radiostation, die die Tage bis zu ihrem 18. Geburtstag herunterzählte. Brooke Shields, die in Pretty Baby eine Kinderprostituierte verkörperte, hatte Schwierigkeiten, ihre Rolle in einem als „unmoralisch“ gebrandmarkten Film zu rechtfertigen. Jodie Foster hingegen sprach schon immer mit Humor über ihre Mitwirkung in Taxi Driver.
Dakota Fanning und Kirsten Dunst unterstützten Portmans Haltung und betonten die Notwendigkeit professioneller Standards am Set sowie die Verantwortung des Publikums bei der Interpretation von Filmen. Die Diskussion dreht sich weiterhin darum, ob Filme nachträglich geändert werden können, ohne ihren künstlerischen Wert zu verlieren – oder ob das Originalmaterial unbedingt erhalten bleiben muss.
Wenders’ Entschuldigung und der Rückzug des Films aus der Öffentlichkeit beendeten die ethische Debatte nicht. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um Einzelschicksale, sondern um branchenweite Standards. Wie mit derartigem Material künftig umgegangen werden soll, bleibt eine offene Frage.






