Warum junge Männer zwischen Feminismus und rechter Propaganda schwanken
Laura ThanelWarum junge Männer zwischen Feminismus und rechter Propaganda schwanken
Eine zunehmend hitzige Debatte entzündet sich daran, wie junge Männer für die Politik gewonnen werden können – insbesondere jene, die sich von rechtsextremen Bewegungen angezogen fühlen. Die Diskussion erhielt neuen Auftrieb, nachdem Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, öffentlich dafür warb, Männer über feministische Ideen anzusprechen. Gleichzeitig wirbt der AfD-Politiker Maximilian Krah mit einer gänzlich anderen Botschaft um dieselbe Zielgruppe.
Noch vor zwanzig Jahren wurde traditionelle Männlichkeit in der Politik kaum infrage gestellt. Heute hat sich die Debatte gewandelt: Manche argumentieren, dass starre Geschlechterrollen Männern genauso schaden wie Frauen. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“. Sven Lehmann, einer der Initiatoren, ist heute überzeugt, dass traditionelle Männerbilder in seiner Partei keinen Platz mehr haben. Doch die Grünen tun sich nach wie vor schwer, junge Männer zu erreichen – viele von ihnen wenden sich stattdessen der extremen Rechten zu.
Aktuelle Wahldaten zeigen eine deutliche Kluft: Bei der letzten Bundestagswahl stimmte die überwiegende Mehrheit der unter 24-jährigen Männer für die AfD, während Frauen derselben Altersgruppe eher links der Mitte wählten. Dieser Trend zwingt Politiker wie Banaszak zum Umdenken. Im Februar nutzte er ein Interview mit dem Playboy, um zu betonen, dass Feminismus auch Männern Vorteile bringe – schließlich schränkten Geschlechterklischees alle ein.
Doch Banaszaks Ansatz stößt auf Widerstand. Der Bundesfrauenrat der Grünen reagierte skeptisch auf seinen Aufruf zu einer „Männerpolitik“. Selbst Banaszak räumte ein, dass seine Strategie den Reiz der AfD kaum übertrumpfen könne. Der AfD-Politiker Maximilian Krah rief jüngst in einem Video vor der Europawahl 2024 junge Männer, die Schwierigkeiten bei der Partnersuche hätten, dazu auf, „nach rechts“ zu gehen.
Die Auseinandersetzung um Männlichkeit in der Politik ist nicht neu. Noch vor zwei Jahrzehnten trug Fußballtorwart Tim Wiese ohne öffentliche Kritik Pink auf dem Platz. Heute sieht sich Banaszak – der sein Büro pink gestrichen hat – einer weitaus polarisierteren Landschaft gegenüber. Seine Herausforderung ist klar: junge Männer davon zu überzeugen, dass der Feminismus ihnen mehr zu bieten hat als die extreme Rechte.
Die Grünen versuchen, Feminismus als eine Bewegung zu präsentieren, die Männer einschließt – doch ihre Botschaft konkurriert mit den direkten Ansprachen der AfD. Die Wahlentscheidungen junger Männer deuten darauf hin, dass die Rechte derzeit die Oberhand hat. Ob Banaszaks Ansatz diese Dynamik ändern kann, bleibt ungewiss.






