Warum BMWs Wasserstoff-X5 trotz Kritik 2028 kommt – und wer dahintersteht
Christina JunitzWarum BMWs Wasserstoff-X5 trotz Kritik 2028 kommt – und wer dahintersteht
Mediamarkt's Wasserstoffauto-Offensive stößt auf massive Kritik
Die Pläne des Bundes für wasserstoffbetriebene Autos stehen zunehmend in der Schusslinie von Branchenexperten und Politikern. Bayerns Wirtschaftsminister wirft der Ampelkoalition vor, an veralteten Konzepten festzuhalten – obwohl sich die meisten großen Automobilhersteller längst von der Technologie verabschiedet haben.
Die Debatte entfacht sich, während BMW für 2028 eine Wasserstoffvariante seines X5-SUV plant – unterstützt durch Millionen an öffentlichen Fördergeldern.
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) warf der Bundesregierung kürzlich vor, ein „ideologisches Problem mit Wasserstoff im Verkehr“ zu haben. Seine Äußerungen unterstreichen die wachsende Spaltung über die Rolle der Technologie im Personenverkehr.
Dabei bieten Wasserstoffautos heute kaum noch praktische Vorteile gegenüber batteriebetriebenen Modellen. Zwar galten sie einst als schneller betankbar und reichweitenstärker, doch dieser Vorsprung ist längst dahingeschmolzen. Aktuell ist in Deutschland nur ein einziges Wasserstoffauto erhältlich – der Toyota Mirai –, der in seinem besten Jahr (2022) gerade einmal 337 Neuzulassungen erreichte. Seither sind die Zahlen weiter gesunken. Batterieelektrische Fahrzeuge dominieren dagegen den Markt: Allein zwischen Januar und Oktober 2025 wurden über 435.000 neue E-Autos zugelassen. Fahrer können aus rund 1.800 Modellen wählen und auf etwa 180.000 Ladesäulen bundesweit zugreifen. In dieses umkämpfte Umfeld stößt nun BMWs geplanter Wasserstoff-X5.
Kritiker argumentieren, dass grüner Wasserstoff vorrangig in Branchen eingesetzt werden sollte, in denen eine Elektrifizierung schwerer umsetzbar ist – etwa in der Stahlproduktion oder der Luftfahrt. Diese Position entspricht der sogenannten Liebreich-Leiter, einem Modell, das Wasserstoff dort priorisiert, wo es kaum Alternativen gibt.
Trotz der Skepsis treibt BMW sein Wasserstoffprojekt voran. Das Unternehmen hat 273 Millionen Euro an Bundes- und Landesförderung für die Entwicklung des Antriebsstrangs des X5-SUV eingeworben. Die Produktion soll 2028 anlaufen. Auch die bayerische Landesregierung fördert weiterhin Nischentechnologien wie die induktive Ladung für fahrende Fahrzeuge – ein Konzept, das bisher kaum praktische Anwendung findet. Die Unterstützung für Wasserstoffautos gilt zunehmend als ideologisch motiviert und nicht an der Marktrealität orientiert.
Die meisten großen Hersteller haben sich bereits aus dem Wasserstoff-Pkw-Geschäft zurückgezogen. Daimler, Volkswagen, Honda und Hyundai haben ihre Programme entweder stark reduziert oder komplett eingestellt. BMWs Engagement stellt eine Ausnahme dar. Die Zukunft des Projekts könnte jedoch von der anstehenden Führungsriege abhängen: Milan Nedeljković, aktuell Produktionsvorstand, übernimmt im Mai 2026 den Chefposten. Nedeljković, der die Elektrifizierung vorangetrieben hat – etwa mit der Neue Klasse-Plattform –, hat sich zu Wasserstoff bisher nicht klar positioniert.
BMWs Wasserstoff-X5 wird 2028 auf den Markt kommen, gestützt durch erhebliche öffentliche Mittel. Doch die Technologie kämpft gegen die übermächtige Konkurrenz batteriebetriebener Alternativen, die den Markt bereits dominieren. Angesichts des Rückzugs der meisten Mitbewerber und der Forderungen von Experten, Wasserstoff stattdessen in der Industrie einzusetzen, bleibt die langfristige Perspektive des Projekts ungewiss.






