Trumps umstrittene Friedensformel: Ukraine soll 20 Prozent an Russland abtreten – für EU-Beitritt
Christoph Koch IITrumps umstrittene Friedensformel: Ukraine soll 20 Prozent an Russland abtreten – für EU-Beitritt
Ein aktueller Friedensvorschlag der USA für den Russland-Ukraine-Konflikt hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Der von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Plan sieht vor, dass die Ukraine der EU beitreten könnte, dafür aber etwa 20 Prozent ihres Territoriums von vor 2014 an Russland abtreten müsste. Kritiker wie der Kolumnist Thomas Friedman vergleichen diesen Ansatz mit historischer Beschwichtigungspolitik – Friedman verlieh Trump für die Idee sogar sarkastisch den „Neville-Chamberlain-Preis“.
Laut dem vorgeschlagenen Abkommen behielte die Ukraine zwar 80 Prozent ihrer Grenzen von vor 2014, müsste aber einige Regionen an Russland abgeben. Im Gegenzug würde sie Mitglied der EU werden – ein deutlicher Wandel im Vergleich zum ursprünglichen Konflikt, der sich um die Westbindung der Ukraine drehte. Zudem würde die ukrainische Armee auf über 1,2 Millionen Soldaten ausgebaut, was sie zur größten Streitmacht Europas machen würde – größer als die Armeen Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens zusammen.
Thomas Friedman, ein scharfer Kritiker der Pläne, verwendet den „Neville-Chamberlain-Preis“ bereits seit Längerem, um seiner Meinung nach zu schwache Reaktionen auf russische Aggression anzuprangern. 2022 hatte er diesen Titel erstmals Präsident Joe Biden verliehen und ihm Appeasement vorgeworfen. Nun warnt Friedman, Trumps Plan könnte zu einem modernen Zweiten Weltkrieg führen, in dem Europa unter Putins Einfluss gerate. In einer beißenden Bemerkung deutete er an, dass Thanksgiving eines Tages als russischer Feiertag begangen werden könnte, falls der Vorschlag umgesetzt werde.
Befürworter von Verhandlungen argumentieren hingegen, das Überleben der Ukraine hänge von Kompromissen ab. Iulia Mendel, ehemalige Sprecherin von Präsident Selenskyj, mahnt zu Realismus und erklärt: „Mein Land verblutet.“ Sie warnt davor, sich an idealisierten Kriegsvorstellungen festzuklammern, und betont, die Ukraine brauche einen gangbaren Weg zum Frieden. Analysten weisen darauf hin, dass Russland viele seiner ursprünglichen Kriegsziele bereits nicht erreicht hat. Dennoch bleibt umstritten, ob eine verhandelte Lösung die Zukunft der Ukraine sichern – oder durch die Belohnung von Aggression alte Fehler wiederholen würde.
Der Vorschlag skizziert eine sichere, unabhängige Ukraine, die mit dem Westen verbunden bleibt, wenn auch auf verkleinertem Territorium. Würde er angenommen, würde er die militärische und politische Landschaft Europas grundlegend verändern. Bislang bleibt der Plan jedoch umstritten: Während Kritiker vor langfristigen Folgen warnen, fordern Befürworter dringendes Handeln.






