05 February 2026, 01:09

Stuttgart misst digitale Souveränität mit neuem Bewertungssystem für IT-Dienste

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Stuttgart misst digitale Souveränität mit neuem Bewertungssystem für IT-Dienste

Stuttgart führt neues System zur Messung der digitalen Souveränität ein

Stuttgart hat ein neues Bewertungssystem eingeführt, das misst, wie unabhängig die IT-Dienste der Stadt von ausländischen Anbietern und rechtlicher Kontrolle sind. Der sogenannte Digital Sovereignty Score (DSS) bewertet die technologische Infrastruktur der Stadt auf einer Skala von eins bis fünf. Das Instrument soll die Abhängigkeit von ausländischen Technologieunternehmen verringern und die öffentliche Hand besser über ihre Daten hoheitlich entscheiden lassen.

Der DSS wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Stuttgart (TUS) entwickelt. Er untersucht drei zentrale Bereiche: technische Abhängigkeiten, rechtliche Risiken und organisatorische Schwachstellen. Inspiriert vom Nutri-Score-System zur Lebensmittelkennzeichnung ordnet der DSS die Dienste in fünf Stufen ein – wobei DSS 1 die höchste Souveränität und DSS 5 die geringste bedeutet.

In einer Pilotphase wurde im IT-Referat der Stadt Stuttgart eine Auswahl von 194 kritischen Diensten aus insgesamt 2.780 kommunalen Anwendungen überprüft. Die Ergebnisse zeigten: 66 Prozent der Dienste erreichten die beiden besten Stufen (DSS 1 und 2). Fünf Prozent wurden mit DSS 4 bewertet, während 21 Prozent in die problematischste Kategorie DSS 5 fielen. Zu diesen zählten unter anderem gesetzlich vorgeschriebene E-Vergabeplattformen, zentrale Software öffentlicher Einrichtungen und Tools für die elektronische Aktenverwaltung.

Dr. Laura Dornheim, IT-Referentin und Chief Digital Officer der Stadt Stuttgart, betonte, dass messbare Standards entscheidend seien, um die digitale Souveränität im öffentlichen Sektor zu stärken. Der DSS werde nun in alle IT-Prozesse und Vergaberichtlinien integriert. Künftige Verträge müssten strengere offene Standards erfüllen, um externe Abhängigkeiten zu reduzieren.

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Stuttgarts Initiative reiht sich in europaweite Bestrebungen ein, die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern. Der Deutsche Bundestag verfolgt ähnliche Strategien, während Frankreich mit Visio eine eigene Videokonferenzlösung eingeführt hat. Diese Schritte spiegeln einen wachsenden Trend wider, die Kontrolle über die digitale Infrastruktur lokal zu verankern.

Der DSS wird künftig die IT-Entscheidungen Stuttgarts prägen – mit schärferen Vorgaben für neue Verträge. Durch die Priorisierung offener Standards und lokaler Aufsicht strebt die Stadt eine stärkere digitale Unabhängigkeit an. Das System könnte zudem als Vorbild für andere Regionen dienen, die ähnliche Maßnahmen erwägen.