Streit um Heizungsgesetz: SPD und Union ringen um 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energie
Christoph Koch IIStreit um Heizungsgesetz: Abschaffen - oder nur ein bisschen? - Streit um Heizungsgesetz: SPD und Union ringen um 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energie
Das umstrittene deutsche "Heizungsgesetz" bleibt ein zentraler Streitpunkt in den Koalitionsverhandlungen, während die Fristen für die Reform näher rücken. Die seit 2024 geltenden Vorschriften schreiben vor, dass neue Heizsysteme mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Doch Uneinigkeit zwischen der SPD und dem konservativen Unionsblock über die Überarbeitung des Gesetzes bremst die Fortschritte aus.
Nach dem aktuellen Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen Hauseigentümer strenge Erneuerbaren-Quoten erfüllen, wobei bis zu 70 Prozent der Umrüstungskosten durch Fördermittel gedeckt werden. Gleichzeitig mehren sich die Forderungen nach einem flexibleren, CO₂-basierten System – doch die SPD beharrt darauf, die Kernziele für erneuerbare Energien beizubehalten.
Die GEG-Reform, die 2024 eingeführt wurde, verlangt, dass alle neu installierten Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen. Dies gilt sofort für Neubauten in ausgewiesenen Zonen und wird schrittweise zwischen Mitte 2026 und Mitte 2028 auf Bestandsgebäude ausgeweitet. Wer vor dem lokalen Stichtag noch Gas- oder Ölheizungen einbaut, muss ab 2029 dennoch den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen.
Die SPD bleibt bei der Forderung nach der 65-Prozent-Regelung für Erneuerbare. Im November 2025 bekräftigten die Parteisprecherin Nina Scheer und Umweltminister Carsten Schneider zwar das Festhalten an diesem Ziel, räumten aber ein, dass die Umsetzung vereinfacht werden müsse. Die Union hingegen kritisiert das Gesetz als zu starr und bürokratisch und setzt sich stattdessen für einen CO₂-orientierten Ansatz ein. Hinter den Kulissen arbeiten das von der SPD geführte Bauministerium und das von der CDU geleitete Wirtschaftsministerium an Reformvorschlägen im Rahmen des Koalitionsvertrags. Dieser sieht ein technologieneutrales und flexibles System vor, lässt aber zentrale Details offen. Da bisher kein Gesetzesentwurf vorliegt, wächst der Druck, bis Februar 2026 – wenn eine endgültige Entscheidung ansteht – einen Kompromiss zu finden.
Förderungen von bis zu 70 Prozent für Heizungsmodernisierungen bleiben vorerst bestehen und mildern die Kosten für Hauseigentümer. Doch die politische Spaltung droht die Fortschritte zu überschatten, während beide Seiten versuchen, Klimaziele mit praktischen Belangen in Einklang zu bringen.
Die Zukunft der Reform hängt davon ab, ob die Koalition ihre Differenzen bis Anfang 2026 überbrücken kann. Bleibt die 65-Prozent-Vorgabe für Erneuerbare erhalten, müssen Hauseigentümer weiterhin strenge Auflagen erfüllen – wenn auch mit finanzieller Unterstützung. Ein Wechsel zu einem CO₂-basierten Modell würde hingegen einen grundlegenden Kurswechsel in der Klimapolitik bedeuten.
Bis dahin gelten die bestehenden Regeln weiter, und Fördergelder für Heizungssanierungen stehen weiterhin zur Verfügung. Das Ergebnis der Verhandlungen wird entscheiden, wie Deutschlands Wärmewende in den kommenden Jahren gestaltet wird.






