07 February 2026, 22:59

"Spiegel-TV"-Doku über ICF München: Warum wurden kritische Passagen einfach gestrichen?

Eine evangelische Kirche steht in der Mitte einer Straße, mit einer Straße unten, Pflanzen und Bäumen im Hintergrund und einem klaren blauen Himmel darüber.

"Spiegel-TV"-Doku über ICF München: Warum wurden kritische Passagen einfach gestrichen?

Ein kürzlich ausgestrahlter Spiegel-TV-Dokumentarfilm hat die angeblichen Verbindungen zwischen rechtsextremen Gruppen, rechtspopulistischen christlichen Influencern und der ICF Kirche München in den Fokus gerückt. Ursprünglich enthielt der Film Vorwürfe, die Kirche dämonisiere Abtreibungen – diese Passagen wurden jedoch nach Beschwerden später entfernt. Die ICF München wies die Darstellung entschlossen zurück und betonte, es gehe ihr um die Verteidigung der Wahrheit, nicht um Hasspropaganda.

Der Dokumentarfilm untersuchte zudem die in Pforzheim ansässige Gemeinde FWBC Seelengewinnen sowie die Influencer Jasmin Friesen und Leonard Jäger und thematisierte Bedenken hinsichtlich ihrer ideologischen Vernetzungen. Experten kritisieren nun die Intransparenz der vorgenommenen Änderungen, da der Film derzeit keinen Hinweis auf die Streichungen enthält.

Im Januar hatte Spiegel TV jene Abschnitte des Dokumentarfilms entfernt, die die ICF München mit umstrittenen Aussagen zu Abtreibungen in Verbindung brachten. In der Originalfassung war behauptet worden, ein Prediger der Kirche, Jens Koslowski, habe Abtreibung mit Sklaverei gleichgesetzt. Die ICF München konterte, diese Darstellung sei falsch und vereinfachend; man vertrete keine dämonisierende Haltung, sondern stehe für die Wahrung von Wahrheiten ein.

Die Kirche hat in mehreren deutschen Städten, darunter München, Augsburg und Hamburg, öffentlich abtreibungskritische Positionen bezogen. Abtreibungen wurden dabei als "Götzenopfer", "Völkermord" oder "Blutschuld" bezeichnet, während Vorwürfe der Volksverhetzung zurückgewiesen wurden. Unabhängig davon deckte ein ARD-Rechercheteam in Augsburg verdeckt sogenannte Konversionstherapien auf: Demnach sollen ICF-Mitglieder versucht haben, Menschen durch Rituale wie Handauflegung und Zungenrede von ihrer Homosexualität zu "befreien".

Auch außerhalb Deutschlands stuft das Schweizerische Zentrum für Religion, Sekten und Ideologien die grundsätzlichen Positionen der ICF als problematisch ein. Konkrete öffentliche Stellungnahmen der ICF in der Schweiz oder Österreich lassen sich jedoch in den verfügbaren Quellen nicht nachweisen.

Kritiker wie Matthias Pöhl von der Beobachtungsstelle FundiWatch monieren vor allem die mangelnde Transparenz bei den Filmänderungen. Die aktuelle Online-Fassung gibt keine Auskunft darüber, dass Passagen gestrichen wurden – Zuschauer erfahren somit nichts von den ursprünglichen Vorwürfen.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Frage, wie die Positionen der ICF München im Spiegel-TV-Dokumentarfilm zunächst dargestellt und später verändert wurden. Während die Kirche eine verzerrte Darstellung zurückweist, warnen Experten vor einem bedenklichen Präzedenzfall durch undeklarierte redaktionelle Eingriffe. Die im Film thematisierten ideologischen Verbindungen zwischen rechtsextremen Gruppen und christlichen Influencern bleiben indes Gegenstand öffentlicher Debatten.

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