Söders umstrittene Atomkraft-Argumente: Warum ein 66 Jahre alter Forschungsreaktor Bayerns Debatte prägt
Christoph Koch IIGrüne: Söders kanadischer Traum-Reaktor ist 66 Jahre alt - Söders umstrittene Atomkraft-Argumente: Warum ein 66 Jahre alter Forschungsreaktor Bayerns Debatte prägt
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder steht wegen seiner Werbung für kleine Kernreaktoren auf Basis veralteter Technologie in der Kritik. Die Grünen werfen ihm vor, bei seiner Forderung nach neuen modularen Reaktoren in Deutschland auf ein 66 Jahre altes kanadisches Forschungsreaktor verwiesen zu haben. Kritiker monieren, seine Position sei sachlich nicht haltbar und gefährde den Ruf Bayerns.
Söder hatte kürzlich argumentiert, Deutschland solle kleine modulare Reaktoren (SMR) übernehmen, wie sie bereits in Kanada im Einsatz seien. Doch der von ihm genannte Reaktor – der McMaster Nuclear Reactor (MNR) an der McMaster-Universität – ist seit 1959 in Betrieb. Er wurde für Forschungszwecke konzipiert, nicht zur Stromerzeugung, und hat nie Energie ins Netz eingespeist.
Die Grünen warf Söder vor, die Öffentlichkeit und den Landtag bewusst über die Fähigkeiten moderner SMR zu täuschen. Sie verwiesen darauf, dass selbst ehemalige Betreiber von Atomkraftwerken Kernenergie mittlerweile als teuerste Form der Stromerzeugung einstuften. Die aktuellen Kosten lägen bei bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde – deutlich höher als bei Alternativen.
Unterdessen treibt Kanada eigene SMR-Pläne am Standort Darlington voran, unterstützt durch staatliche Fördergelder von bis zu drei Milliarden kanadischen Dollar. Das Projekt sieht den Bau von vier Reaktoren vor, von denen der erste voraussichtlich 300.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Befürworter heben Vorteile wie geringere Baukosten, passive Sicherheitssysteme und einen reduzierten Brennstoffverbrauch hervor. Dennoch bleiben Herausforderungen: Ein US-Projekt des Unternehmens NuScale scheiterte daran, Abnehmer zu finden, was Zweifel an der Marktfähigkeit der Technologie aufkommen lässt.
Experten warnen, dass kleine Reaktoren erst bei einer massenhaften Verbreitung kosteneffizient würden. Ohne eine flächendeckende Einführung bliebe der Strompreis zu hoch für einen praktischen Einsatz.
Söders Einsatz für SMRs stützt sich auf einen Reaktor, der nie für die kommerzielle Stromerzeugung vorgesehen war. Die Grünen bestehen darauf, dass seine Aussagen unbelegt seien und Bayerns Ansehen schaden könnten. Angesichts der Tatsache, dass Atomkraft bereits die teuerste Energieoption ist, dreht sich die Debatte darum, ob die Technologie jemals bezahlbaren Strom liefern kann.






