01 February 2026, 05:02

Saublodere in Rottenburg: Wie Schweineblasen den Fasching laut machen

Eine 17. Jahrhundert Schwarzweiß-Radierung von Albrecht Dürer, die einen Mann zeigt, der Schweine in einem Dorf füttert, mit Häusern, Bäumen und einem Wagen im Hintergrund.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Saublodere in Rottenburg: Wie Schweineblasen den Fasching laut machen

Jedes Jahr zur Faschingszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, hallt das scharfe Knallen der Saublodere durch die Straßen. Diese traditionellen Lärmmacher, hergestellt aus aufgeblasenen Schweineblasen, sind seit Generationen ein fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Feiern. Zusammen mit Masken und Narrenkostümen bleiben sie ein lautes und lebendiges Symbol für den Geist des Festes.

Die Vorbereitung der Saublodere beginnt lange vor den Festlichkeiten. Faschingsgilden sammeln Schweineblasen bei örtlichen Metzgern, die sie sorgfältig entleeren, einweichen und reinigen. Jede Blase wird auf Fehler überprüft, denn nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt. Nach dem Trocknen werden sie mit Druckluft aufgeblasen und an Schnüren oder Holzstöcken befestigt – fertig zum Einsatz.

Wenn die Blasen auf den Boden geschlagen werden, erzeugen sie ein ohrenbetäubendes Knallen, das Passanten oft erschreckt. Jürgen Ott, ein Metzger in Rottenburg, beliefert die lokale Gilde jährlich mit 80 bis 100 Blasen. Doch die Saublodere sind mehr als nur Lärmmacher: Sie symbolisieren Eitelkeit und Übermaß und dienen zugleich als neckisches Werkzeug und festliches Instrument.

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Obwohl Schweineblasen nach wie vor Standard sind, gehen einige Gilden dazu über, Rinderblasen zu verwenden. Diese sind größer, haltbarer und länger nutzbar, doch ihr Einsatz ist noch selten. Es gibt keine offiziellen Aufzeichnungen, wie viele Gruppen in Baden-Württemberg bereits umgestiegen sind – die Tradition bleibt vor allem in ihrer ursprünglichen Form lebendig.

Der Brauch der Saublodere gedeiht in Rottenburg und darüber hinaus weiter. Ihr unverwechselbarer Klang und ihre symbolische Bedeutung verankern sie fest in der schwäbisch-alemannischen Faschingskultur. Noch sind Schweineblasen die bevorzugte Wahl, doch in manchen Kreisen könnten Rinderblasen langsam an Boden gewinnen.