07 February 2026, 23:00

Ökonomin widerlegt Vorurteile: Warum junge Arbeitnehmer nicht faul sind

Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund trägt den Text "Kinderaarbeit ist eine nationale Geißel - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen", zeigt eine bunt gemischte Gruppe von Menschen, die gemeinsam stehen.

Ökonomin widerlegt Vorurteile: Warum junge Arbeitnehmer nicht faul sind

Eine führende Wirtschaftswissenschaftlerin widerspricht der Behauptung, junge Menschen in Deutschland würden Arbeit meiden. Monika Schnitzer, Professorin mit Sitz in München, hält Vorwürfe wie Faulheit oder Risikoscheu für ungerechtfertigt. Stattdessen verweist sie auf tiefgreifende Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und die finanziellen Belastungen, mit denen jüngere Generationen konfrontiert sind.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Übergang von der Ausbildung in ein stabiles Beschäftigungsverhältnis deutlich verlängert. Immer mehr junge Menschen müssen sich mit prekären Tätigkeiten begnügen – etwa unbezahltem Praktika oder freiwilligen Einsätzen –, was ihre berufliche Entwicklung verzögert. Bis Ende 2025 war die Jugendarbeitslosigkeit in Regionen wie dem Rhein-Kreis Neuss gestiegen, während Bereiche wie Bildung, Sozialarbeit und berufliche Weiterbildung – etwa über Programme wie Prakti.GO und den Bundesfreiwilligendienst (BFD) – bereits 17-Jährige anziehen.

Schnitzer widerlegt auch die Annahme, junge Arbeitnehmer würden sich in sichere Beamtenstellen flüchten. In München etwa bevorzugen viele Tätigkeiten in der Privatwirtschaft, etwa bei Unternehmen wie BMW. Gleichzeitig gehen ältere Arbeitnehmer oft bereits mit 63 oder 64 in Rente, in dem Gefühl, genug geleistet zu haben.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Finanzielle Engpässe verschärfen die Situation zusätzlich. Viele Angehörige der Generation Z müssen neben dem Studium jobben, um ihre Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Schnitzer betont, dass diese Gruppe tatsächlich früher in den Arbeitsmarkt einsteigt und längere Arbeitszeiten absolviert als frühere Generationen. Zudem hinterfragt sie, warum Berufe wie Lehrtätigkeiten oder Forschung zwingend eine Verbeamtung erfordern – und schlägt vor, dass Reformen hier mehr Chancen für junge Fachkräfte schaffen könnten.

Die Debatte um die Beschäftigung von Jugendlichen zeigt vor allem strukturelle Probleme auf, nicht aber eine generelle Haltung der jungen Generation. Angesichts längerer Ausbildungszeiten, finanzieller Belastungen und begrenzter stabiler Arbeitsplätze haben junge Arbeitnehmer es heute schwerer, als oft anerkannt wird. Schnitzers Aussagen unterstreichen, dass es gilt, diese Herausforderungen anzugehen – statt Einzelne verantwortlich zu machen.