28 December 2025, 05:18

„Nützlicher Rassismus“: Warum gut integrierte Migrant:innen plötzlich abgeschoben werden sollen

Ein Schwarz-Weiß-Bild von Menschen, die Plakate halten, mit einem Einkaufszentrum im Hintergrund.

„Nützlicher Rassismus“: Warum gut integrierte Migrant:innen plötzlich abgeschoben werden sollen

Immer mehr Migrant:innen in Deutschland droht trotz starker Bindungen an ihre Gemeinschaften und Arbeitsplätze bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter die Abschiebung. Viele von ihnen, wie Yared Tekeste Abay und Faisal K., gehen einer Arbeit nach, leisten einen Beitrag für die Gesellschaft – und leben dennoch in Unsicherheit. Kritiker:innen sehen darin einen größeren Trend des „nützlichen Rassismus“, bei dem Rechte nicht von grundlegender Gerechtigkeit abhängen, sondern von wirtschaftlicher Verwertbarkeit bei der Agentur für Arbeit oder der Bundesagentur für Arbeit.

Die Journalistin Nelli Tügel zeigt auf, wie solche Politiken Ausbeutung vertiefen und Arbeiter:innen spalten. Die Thematik hat Proteste von Gewerkschaften, Flüchtlingsrechtsorganisationen und Solidaritätsnetzwerken ausgelöst, die einen Wandel fordern.

Yared Tekeste Abay, ein Pflegefachmann in der Ausbildung, steht trotz seiner Integration und eines gültigen Arbeitsvertrags bei der Arbeitsagentur vor der Abschiebung. Sein Fall findet Unterstützung bei Kolleg:innen, Anwält:innen und Aktivist:innen, darunter Organisationen wie Seebrücke, Pro Asyl und lokale Flüchtlingsinitiativen. Öffentliche Proteste und juristische Kampagnen formieren sich gegen die Entscheidung.

Ähnliche Fälle sorgten bereits für Schlagzeilen: Eine 26-jährige Frau, ausgezeichnet als beste Bäckereifachkraft Bayerns, wurde nach Georgien abgeschoben. Auch Faisal K., ein engagierter Bäckereimitarbeiter, droht trotz jahrelanger harter Arbeit und sozialer Einbindung bei Ebay die Ausweisung. Diese Geschichten folgen einem Muster: Selbst als „nützlich“ eingestufte Migrant:innen verlieren ihr Bleiberecht. Tügel, Redakteurin bei analyse & kritik und freiberufliche Journalistin, hält es für ungerecht, dass Menschen wiederholt ihren „Wert“ beweisen müssen. Sie verknüpft diese Praxis mit grundlegenden Prinzipien der Arbeiterbewegung, die Spaltungen unter Beschäftigten ablehnt. „Wenn einige als entbehrlich behandelt werden, schwächt das die Solidarität und befördert Ausbeutung am Arbeitsplatz“, erklärt sie.

Der Trend beschränkt sich nicht auf die Politik. Auch in der Medienberichterstattung rücken zunehmend Migrant:innen in den Fokus, die wirtschaftlich beitragen – und dennoch schutzlos bleiben. Kritiker:innen werfen dieser Darstellung vor, ein System zu festigen, in dem Rechte an Bedingungen geknüpft sind. Das untergrabe das Vertrauen von migrantischen Arbeiter:innen und normalisiere Ungleichheit.

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Der Widerstand gegen diese Politiken vereint Gewerkschafter:innen, Flüchtlingsanwält:innen und basisdemokratische Netzwerke. Mit Klagen und öffentlichen Protesten kämpfen sie für sichere Aufenthaltstitel für Gefährdete. Unterdessen hält die Debatte über den „nützlichen Rassismus“ an – mit der Forderung, dass Bleiberechte nicht allein vom wirtschaftlichen Nutzen abhängen dürfen.