NDR feuert Moderatorin Julia Ruhs – war ihre Haltung zu konservativ für den Sender?
Christoph Koch IINDR feuert Moderatorin Julia Ruhs – war ihre Haltung zu konservativ für den Sender?
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Moderatorin Julia Ruhs aus seinem Reportagemagazin Klar abberufen. Die Entscheidung folgt einer Prüfung ihrer früheren Äußerungen und politischen Haltung. Ruhs, die sich selbst als konservativ-liberal einordnet, wird die Sendung künftig nicht mehr für den NDR präsentieren, bleibt aber weiterhin Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk (BR).
Der Schritt hat in Medienkreisen eine Debatte ausgelöst: Einige verteidigen die Entscheidung des NDR, andere kritisieren sie als überzogen.
Ruhs hatte dem NDR bereits drei Folgen von Klar vorgelegt, die allesamt von der Redaktion abgesegnet worden waren. Dennoch entschied sich der Sender, sie als alleinige Moderatorin zu ersetzen. Die Journalistin Tanit Koch übernimmt nun die NDR-Folgen.
Die Kontroverse nahm Fahrt auf, nachdem ein Ausschnitt aus einem Interview Ruhs' mit dem Magazin Cicero aus dem Jahr 2023 wieder aufgegriffen wurde. Darin hatte sie gesagt: "Auch einige meiner Freunde haben durchaus recht konservative Ansichten." Diese Aussage sowie ihre öffentliche Kritik an einer vermeintlichen Voreingenommenheit der Mainstream-Medien – insbesondere zu Themen wie Islamismus und "Cancel Culture" – sorgten für Aufsehen. Während sie in konservativen Kreisen Unterstützung erfährt, etwa von CSU-Vertretern oder Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, stufen linksliberale Medien ihre Position als nah an rechtspopulistischen Narrativen ein.
Die Reaktionen auf die NDR-Entscheidung fallen gespalten aus. Oliver Welke, Moderator der ZDF-Satiresendung heute show, widmete dem Fall eine kritische Sequenz und argumentierte: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Er spielte dabei den Cicero-Ausschnitt ein. Die Komikerin Carolin Kebekus (bekannt als Bosetti) verteidigte hingegen den NDR in der heute show und bezeichnete Ruhs' Herangehensweise als "Populismus und schlechten Journalismus".
Ruhs selbst reagierte auf X (ehemals Twitter) mit einer Mischung aus Humor und Resignation: "Ein bisschen gemein, aber sehr lustig", schrieb sie, "die ZDF-'heute show' hat zusammengefasst, was letzte Woche bei der ARD passiert ist." Ihr schneller Aufstieg – von der BR-Volontärin zur Moderatorin in nur drei Jahren – befeuert die Diskussion über Medienneutralität und redaktionelle Entscheidungsprozesse.
Die Folgen der Affäre: Ruhs bleibt Klar nur noch beim BR erhalten, während der NDR mit Tanit Koch weitermacht. Der Streit wirft einmal mehr Fragen zur politischen Neutralität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf. Die NDR-Entscheidung steht, doch die Debatte über Medienstandards und die Verantwortung von Moderator:innen dürfte anhalten.






