"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman die Bühne eroberte
Christina Junitz"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman die Bühne eroberte
Die Bühnenadaption von Kein Körper passt, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Das Stück verwandelt die schonungslose Auseinandersetzung des Buches mit Identität und familiärem Trauma in ein packendes Theatererlebnis.
Die Geschichte folgt Kim, dessen Reise beginnt, als die Demenz der Großmutter die Suche nach der Familiengeschichte auslöst. Diese Spurensuche fördert eine mütterlicherseits vererbte Abstammungslinie bis ins 14. Jahrhundert zutage – sowie tiefe, generationenübergreifende Traumata. Auf der Bühne teilen sich drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – die Rolle des Kim und verleihen jeweils ihrer eigenen Interpretation Ausdruck im Kampf der Figur um Selbstakzeptanz in einem genderfluiden Körper.
Die Inszenierung verbindet intimes Erzähltheater mit mutigen visuellen Elementen. Von der Decke hängen zerrissene beige Strumpfhosen, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln, und schaffen eine unheimliche Atmosphäre. In einer Modenschau-Szene präsentieren die Darsteller:innen zarte weiße Spitzenkleider – ein Kontrast zu den schwerwiegenderen Themen des Stücks. Ein berührender Moment zeigt Kim, das unter einer Blutbuche Trost findet, die der Urgroßvater gepflanzt hat, ein seltener Ort der Geborgenheit.
Stille durchzieht die Erzählung als Last und Waffe zugleich. Das Stück stellt sich ihr direkt entgegen und deutet sie als Akt der Gewalt, der Leid perpetuiert. Nach neunzig Minuten legen die drei Schauspieler:innen symbolisch das "Große Meer" – eine Metapher für das geerbte Leid – zur Ruhe und durchbrechen so den Kreislauf unausgesprochener Traumata.
Die Adaption bleibt dem Roman treu, für den Kim de l'Horizon 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis erhielt. Indem das Stück persönliche und historische Ebenen verbindet, verleiht es lange unterdrückten Geschichten eine Stimme. Die ausverkaufte Premiere zeigt, wie groß das Publikuminteresse an dieser schonungslosen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Identität und Heilung ist.






