Holzingers provokante Sancta-Oper kehrt mit Skandalgarantie nach Stuttgart zurück
Christina JunitzHolzingers provokante Sancta-Oper kehrt mit Skandalgarantie nach Stuttgart zurück
Florentina Holzingers umstrittene Oper Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Produktion, die auf Paul Hindemiths skandalumwittertem Werk Sancta Susanna von 1922 basiert, wird am 3., 4., 5. Oktober sowie am 1. und 2. November aufgeführt. Während die Vorstellungen im November bereits ausverkauft sind, sind für die Oktober-Termine noch Karten erhältlich.
Das Originalwerk, das 1921 wegen angeblicher Gotteslästerung verboten wurde, erzählt von den verbotenen Begierden einer Nonne während des Gebets und den drastischen Konsequenzen, die daraus folgen. Holzingers Adaption löst weiterhin heftige Reaktionen aus – bei der Stuttgarter Premiere kam es trotz Trigger-Warnung zu 18 medizinischen Zwischenfällen im Publikum.
Hindemiths Sancta Susanna sollte vor über einem Jahrhundert in Stuttgart uraufgeführt werden, wurde jedoch noch vor der Premiere abgelehnt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Nonne, deren unkontrollierbare Sexualität während des Gebets zu Bestrafung führt – ein Thema, das das Publikum damals schockierte. Holzingers Version baut auf dieser provokanten Grundlage auf, auch wenn Details ihrer künstlerischen Herangehensweise nur begrenzt bekannt sind.
Die Regisseurin beschreibt Sancta als ein Werk, in dem Frauen ihre unterdrückten Rollen in der christlichen Geschichte zurückerobern. Die Produktion entwickelt sich während eines intensiven Probenprozesses weiter, wobei bis zur Premiere neue Elemente hinzukommen. Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihre Arbeit im experimentellen Theater wie Der rote Wal, bezeichnet das Stück als bahnbrechende Form der Bühnenkunst. Sie lobt seine Fähigkeit, zu unterhalten, zu informieren und Debatten anzuregen.
Bei der ersten Aufführung führte die Intensität der Inszenierung zu mehreren medizinischen Vorfällen unter den Zuschauern. Trotz Warnungen vor den herausfordernden Inhalten hinterließ die rohe Energie und der konfrontative Stil des Stücks einen bleibenden Eindruck. Strindlund betont Holzingers Talent, Kunst zu schaffen, die gleichermaßen kritisch und inklusiv ist – Grenzen überschreitend und gleichzeitig das Publikum einbindend.
Die anstehenden Vorstellungen von Sancta finden an vier Terminen im Oktober und November in der Staatsoper Stuttgart statt. Während die November-Aufführungen ausverkauft sind, sind für die früheren Termine noch Tickets verfügbar. Die Mischung aus historischer Provokation und moderner Neudeutung macht die Produktion zu einem der meistdiskutierten Höhepunkte der diesjährigen Opernsaison.






