Gasbohrungen in Reichling: Trinkwasser in Gefahr durch schnelles Grundwasser
Christina JunitzGasbohrungen in Reichling: Trinkwasser in Gefahr durch schnelles Grundwasser
Bohrungen nach Gas bei Reichling könnten bald beginnen – doch neue Bedenken belasten die Trinkwassersicherheit
Neue Daten zeigen, dass das Grundwasser in der Region deutlich schneller fließt als bisher angenommen. Dadurch verkürzt sich die Reaktionszeit der Behörde im Falle einer Verunreinigung erheblich. Lokale Initiativen und Vertreter kritisieren das Bohrunternehmen scharf, weil es Vorschriften nicht einhalte und wichtige Erkenntnisse nicht fristgerecht melde.
Wie das Wasserwirtschaftsamt Weilheim kürzlich feststellte, bewegt sich das Grundwasser am Bohrstandort mindestens dreimal schneller als in früheren Schätzungen angenommen. Diese Erkenntnis gewann an Bedeutung, nachdem die Greenpeace-Klima- und Energieexpertin Saskia Reinbeck Unterlagen des Amtes geprüft hatte. Die höheren Fließgeschwindigkeiten bedeuten, dass mögliche Schadstoffe bereits innerhalb von Monaten – statt wie bisher vermutet erst nach Jahren – in Trinkwasserquellen gelangen könnten.
Die Bürgerinitiative Reichling-Ludenhausen übt scharfe Kritik an der Projektumsetzung. Sie wirft dem Unternehmen vor, zentrale Auflagen nicht erfüllt und entscheidende Befunde nicht rechtzeitig an das Wasserwirtschaftsamt weitergeleitet zu haben. Auch das Amt selbst bemängelt, dass das Bohrunternehmen wiederholt regulatorische Vorgaben missachte, darunter die Nichteinhaltung von Fristen für Prüfberichte, die zum Schutz der Wasserversorgung erforderlich seien.
Bevor das Unternehmen einen Antrag auf Fördergenehmigung stellt, sind weitere Untersuchungen geplant. Unklar bleibt jedoch, welchen Umfang diese Studien haben werden. Bundesweite geowissenschaftliche Berichte der vergangenen fünf Jahre betonen indes, dass die Risiken von Fracking für das Grundwasser durch strenge Vorsorgemaßnahmen minimiert werden können. Dazu zählen eine zementierte Verrohrung der Bohrlöcher, kontinuierliche Überwachung sowie ein Mindestabstand von 2–3 Kilometern zu Trinkwasserschutzgebieten – Vorgaben, die etwa beim Projekt in Oldenburg 2023 bereits umgesetzt wurden.
Angesichts der schnelleren Grundwasserströmung wächst der Druck, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Im Falle einer Kontamination bleibt den Behörden nun weniger Zeit zum Handeln. Während die Bohrungen möglicherweise bald beginnen, steht vor allem eine Frage im Raum: Wird das Unternehmen alle Sicherheits- und Meldeauflagen erfüllen, bevor die Arbeiten am Unternehmensregister starten?






