Flexible Netzanschlüsse entlasten Stromnetze – doch Standards fehlen noch
Christina JunitzFlexible Netzanschlüsse entlasten Stromnetze – doch Standards fehlen noch
Netzanschluss-Nachfrage in Deutschland steigt rasant – flexible Lösungen könnten Entlastung bringen
Insbesondere für großflächige Batteriespeicherprojekte wächst in Deutschland die Nachfrage nach Netzanschlüssen stark an. Als mögliche Entlastung kristallisieren sich flexible Netzanschlussvereinbarungen (engl. Flexible Grid Connection Agreements, FCAs) heraus. Solche Verträge könnten Netzbetreibern helfen, den wachsenden Stau bei den Anträgen zu bewältigen – ohne teure Infrastrukturausbauten.
FCAs wurden zwar im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert, bleiben für Netzbetreiber aber freiwillig. Viele Verteilnetzbetreiber zögern noch mit der Einführung und verweisen auf fehlende Erfahrungswerte und klare Standards. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) und andere Branchenverbände arbeiten nun an Musterverträgen und Leitlinien, um die Verbreitung zu fördern.
Einer der Vorreiter ist LEW Verteilnetz in Bayern: Das Unternehmen hat bereits mehrere FCAs abgeschlossen und ermöglicht so eine schnellere Anbindung netzneutraler Speichersysteme. Laut den Vereinbarungen werden Einschränkungen bei der Einspeisung zwei Tage im Voraus angekündigt und auf maximal 1.000 Stunden pro Jahr begrenzt. Auf diese Weise konnte LEW etwa ein zusätzliches Gigawatt an Batteriespeicherkapazität integrieren – ohne den Netzausbau vorantreiben zu müssen.
Parallel laufen auf nationaler und EU-Ebene Diskussionen über mehr Transparenz und Standardisierung. Der Bundestag prüft derzeit Vorschläge zur Vereinfachung der Netzanschlussregeln, während Branchenvertreter klarere Rahmenbedingungen fordern. Trotz Fortschritten steht jedoch noch nicht fest, welche Behörde die Entwicklung von FCA-Standards überwachen soll.
Flexible Netzanschlussvereinbarungen bieten eine Chance, den Anschluss von Batteriespeichern zu beschleunigen und Engpässe im Netz zu verringern. Wie das Beispiel LEW Verteilnetz zeigt, können sie in der Praxis funktionieren. Doch für eine flächendeckende Einführung sind einheitliche Standards entscheidend. Solange die Regeln unklar bleiben, werden viele Netzbetreiber weiterhin zögern, solche flexiblen Modelle anzubieten.






