Europas Climate-Tech-Startups kämpfen um Risikokapital und Unabhängigkeit
Christoph Koch IIEuropas Climate-Tech-Startups kämpfen um Risikokapital und Unabhängigkeit
Europa beherbergt mittlerweile doppelt so viele Climate-Tech-Startups wie die USA – über 30.000 im Vergleich zu 14.300 in Amerika. Doch ein neuer Bericht warnt, dass der begrenzte Zugang zu Risikokapital auf dem Kontinent diese Unternehmen zwingt, im Ausland nach Finanzierung zu suchen. Die Studie "Die Bedeutung von Climate Tech für die europäische Widerstandsfähigkeit" unterstreicht die wachsenden Bedenken hinsichtlich Europas Abhängigkeit von ausländischen Mächten bei Produkten der sauberen Technologien.
Als mahnendes Beispiel führt der Bericht den stockenden Fortschritt Deutschlands im Bereich erneuerbare Energien an. Nach einem Höchststand von 9,7 Gigawatt jährlich installierter Leistung im Jahr 2012 verlangsamte sich das Wachstum aufgrund von Änderungen bei Tarifen und Subventionen. Ein Jahrzehnt lang erreichten Neubauten dieses Niveau nicht mehr – bis 2022.
Auch bei der Risikofinanzierung hinkt Europa hinterher: Zwischen 2013 und 2023 lag der Durchschnitt bei nur 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung – deutlich unter den 0,7 Prozent in den USA. Dieser Mangel zwingt junge Climate-Tech-Unternehmen, außerhalb Europas nach Kapital zu suchen, und schwächt damit die regionale Eigenständigkeit.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, schlagen die Autoren eine Reihe von Maßnahmen vor. Dazu gehören die Modernisierung der Stromnetze, der Ausbau langfristiger Energiespeicher sowie Investitionen in zukunftsweisende Bereiche wie KI, Fusionsenergie und Quantencomputing. Zudem unterstützen sie den früheren Vorschlag des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi, jährlich 800 Milliarden Euro über öffentlich-private Partnerschaften bereitzustellen – flankiert von vereinfachten Vorschriften und einer stärkeren Rolle von Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank.
Über Energie und Technologie hinaus fordert der Bericht eine Erhöhung der EU-Verteidigungsausgaben auf mindestens drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Autoren argumentieren, dass aktuelle globale politische Verwerfungen dringend für eine größere europäische Unabhängigkeit – sowohl in der Finanzierung als auch in der Innovation – sprechen.
Laut Bericht könnten diese kombinierten Schritte bis 2029 die Grundlage für Politiken schaffen, die Europas Widerstandsfähigkeit stärken. Ohne tiefgreifendere Investitionen und strukturelle Reformen droht der Kontinent jedoch weiter zurückzufallen – sowohl bei Climate Tech als auch bei der Energiesicherheit. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit einer dringenden Abstimmung zwischen Regierungen, Investoren und Branchenführern.






