Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – doch Wirte und Künstler protestieren
Maren WeihmannErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – doch Wirte und Künstler protestieren
Erlangens Stadtverwaltung hat klassische Partyschlager auf eine Liste „sexistischer“ Lieder gesetzt, die beim diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest gemieden werden sollen. Der Schritt folgt Beschwerden von Festbesuchern, darunter einer Frau, die berichtete, im vergangenen Jahr „begrapscht“ worden zu sein. Wirte zeigen sich jedoch skeptisch gegenüber der Auflistung angeblich „frauenfeindlicher“ Werke.
Die Entscheidung der Stadt geht auf einen 2021 gefassten Beschluss zurück, der von CSU, Linken und SPD unterstützt wurde und Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest verurteilen sollte. Auf der schwarzen Liste steht etwa „Skandal im Sperrbezirk“, eine satirische Abrechnung mit dem Münchner Prostituiertenverbot. Trotz seiner kritischen Absicht wurde der Song als problematisch eingestuft.
Die Stadtverwaltung betont, es gehe nicht um „Verbote“ oder „Kulturkämpfe“, sondern um die Reaktion auf Beschwerden. Kritiker werfen der Maßnahme jedoch vor, prüde Befindlichkeiten zu bedienen – ein politischer Reflex, der sich als Fortschritt tarne. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Zensurbestrebungen bei Songtexten mit der staatlichen Zensur in der DDR.
Auch Künstler wehren sich. Peter Wackel, dessen Hit „Joana“ die Zeile „Du geile Sau“ enthält, sagt, viele Musiker hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen der wachsenden Empfindlichkeit gegenüber Liedtexten. Unterdessen zeigen sich Wirte wenig überzeugt von den städtischen Empfehlungen und zweifeln daran, ob das Meiden dieser Songs die Festkultur verändern wird.
Das Bergkirchweih findet wie geplant statt – mit den städtischen Vorgaben im Hintergrund. Die Wirte stehen unter Druck, die gelisteten Titel zu streichen, doch die Umsetzung bleibt freiwillig. Die Debatte spiegelt den Konflikt wider zwischen dem Anliegen, Belästigungen entgegenzuwirken, und dem, was manche als unzulässigen Eingriff in die künstlerische Freiheit wahrnehmen.






