Der ungehinderte Mord
Der ungehinderte Mord
Vor 45 Jahren wurden ein Rabbiner und seine Partnerin ermordet. Welche Rolle spielten der Verfassungsschutz und die palästinensische PLO?
- Dezember 2025, 23:12 Uhr
Vor 45 Jahren wurden der Rabbiner Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin Frida Poeschke in ihrer Wohnung in Erlangen ermordet. Die Taten blieben jahrzehntelang ungesühnt, da Ermittler zunächst zentrale Beweise ignorierten, die auf rechtsextreme Täter hindeuteten. Neu freigegebene Akten zeigen nun, wie Chancen vertan wurden, das Verbrechen zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Am 19. Dezember 1979 wurden Lewin und Poeschke tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Ermittler entdeckten Überreste eines selbstgebastelten Schalldämpfers und eine auffällige Sonnenbrille am Tatort. Obwohl Lewin sich öffentlich gegen den neo-nazistischen „Auschwitz-Kongress“ von Karl-Heinz Hoffmann engagiert hatte und in dessen antisemitischer Zeitschrift diffamiert worden war, konzentrierte sich die Polizei zunächst auf das Privatleben des Paares als mögliches Tatmotiv.
Ein 2023 freigegebener Bericht belegt, dass ein Informant die Behörden sechs Tage vor den Morden gewarnt hatte. Der Hinweis beschrieb Hoffmann, dessen Partnerin Franziska Birkmann und einen weiteren Komplizen beim Umgang mit Metallrohren – später in Verbindung mit einer in Bonn gefundenen Rohrbombe gebracht. Die Sicherheitsbehörden handelten nicht und stellten keinen Bezug zwischen der Bombe und den Morden her. Hoffmann, Führer der verbotenen neonazistischen Wehrsportgruppe (WSG), unterhielt Verbindungen zur palästinensischen Fatah-Fraktion im Libanon. Sein Mitstreiter Gundolf Köhler, ein WSG-Sympathisant, verübte 1980 das Oktoberfest-Attentat in München, bei dem 13 Menschen starben und über 200 verletzt wurden. Dennoch wurden Hoffmann und Birkmann 1986 im Prozess um die Morde an Lewin und Poeschke mangels Beweisen freigesprochen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte frühzeitig Hinweise auf rechtsextreme Verstrickungen, verfolgte sie jedoch nicht konsequent. Erst Jahre später wurde der Fall neu aufgerollt, während Aktivisten weiterhin vollständige Aufklärung und Gerechtigkeit fordern.
Die Morde an Shlomo Lewin und Frida Poeschke gelten offiziell bis heute als ungelöst – doch die Indizien deuten auf neonazistische Täter hin. Die neu veröffentlichten Akten bestätigen, dass die Behörden entscheidende Warnsignale vor dem Anschlag ignorierten. Bis heute kämpfen Initiativen dafür, dass die rechtsextremen Motive des Verbrechens offiziell anerkannt und die Verantwortlichen benannt werden.






