10 May 2026, 22:23

Der Flaggenstreit der Weimarer Republik entzweit die Nation bis ins Mark

Deutsches Flagge mit einem schwarzen Doppeladler in der Mitte auf rot, gelb und weiß horizontalen Streifen.

Der Flaggenstreit der Weimarer Republik entzweit die Nation bis ins Mark

Ein erbitterter Streit um die deutsche Nationalflagge spitzte sich in den mittleren 1920er-Jahren zu und spaltete die politischen Lager in zwei verfeindete Blöcke. Im Mai 1926 erreichte der Konflikt einen Wendepunkt, als Reichspräsident Paul von Hindenburg ein neues Flaggendekret erließ. Sein Vorstoß sollte die Angelegenheit beilegen, doch stattdessen entfachte er die Spannungen zwischen Links und Rechts von Neuem.

Die Wurzeln des Flaggenstreits reichten bis in die Umbruchsjahre 1918/19 zurück, als die Weimarer Republik Schwarz-Rot-Gold als offizielle Farben annahm. Konservative und Nationalisten jedoch hielten an der alten kaiserlichen Flagge in Schwarz-Weiß-Rot fest – ein Symbol des deutschen Kaiserreichs vor dem Ersten Weltkrieg. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung verfestigt: Auf der einen Seite stand der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“, auf der anderen der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Die Gräben vertieften sich weiter, nachdem die Alliierten den Anschluss Österreichs blockierten. Die Rechte formierte sich daraufhin hinter den kaiserlichen Farben, während die Weimarer Koalition und die Kommunisten die republikanische Trikolore unterstützten.

Um die Krise zu entschärfen, prüfte Edwin Redslob, der Reichskunstwart, monatelang Entwürfe für eine einheitliche „Reichsflagge“. Als Verantwortlicher für die visuelle Identität des Reiches – einschließlich der Flaggen – unterbreitete er mehrere Lösungsvorschläge, scheiterte jedoch daran, die Fronten zu versöhnen. Bis Ende 1926 waren seine Bemühungen gescheitert, und der Konflikt blieb ungelöst.

Am 5. Mai 1926 erließ Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret verpflichtete deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas, sowohl die republikanischen Farben als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) zu hissen. Statt die Streitfrage zu klären, schürte die Anordnung jedoch die Konflikte. Nur vier Tage später veröffentlichte Hindenburg einen offenen Brief, in dem er zu einem verfassungspolitischen Kompromiss aufrief. Sein Appell an die Versöhnung milderte die Ablehnung der Gegner kaum – Linken und Gemäßigte lehnten jede Zugeständnis an die kaiserliche Flagge kategorisch ab.

Die Zweite Flaggenverordnung vermochte es nicht, die Nation unter einem gemeinsamen Symbol zu einen. Im Gegenteil: Sie zementierte die politische Spaltung, während sich jede Seite unnachgiebig hinter ihren Farben verschanzte. Der Streit sollte noch lange nachwirken – ein Spiegel der tieferen Brüche in der labilen Demokratie der Weimarer Republik.

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