02 February 2026, 08:46

Constanza Macras verbindet Weimarer Dekadenz mit Berlins heutigen Kämpfen in Goodbye Berlin

Ein Magazincover mit einem Gemälde von drei Frauen in bunten Kleidern, die mit ausgestreckten Armen tanzen, umgeben von farbigen Ballons, mit dem Text 'Berliner Leben', der likely den Titel der Zeitschrift angibt.

Constanza Macras verbindet Weimarer Dekadenz mit Berlins heutigen Kämpfen in Goodbye Berlin

Choreografin Constanza Macras kehrt im Februar 2026 mit Goodbye Berlin an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zurück – einer mutigen neuen Produktion, die Christopher Isherwoods Leb wohl, Berlin aus den 1930er-Jahren mit den heutigen Kämpfen der Stadt verwebt. Das Stück erkundet die Verbindungen zwischen der Dekadenz der Weimarer Republik und den politischen Umbrüchen der Gegenwart.

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Macras zieht direkte Parallelen zwischen dem Aufstieg des Faschismus in den 1930er-Jahren und dem wachsenden Einfluss der rechtspopulistischen AfD heute. Auf der Bühne dominiert ein großer Spiegel, der das Publikum mit dem eigenen Spiegelbild konfrontiert, während die Inszenierung zwischen Vergangenheit und Gegenwart springt. Dieser visuelle Kniff unterstreicht das zentrale Thema der Aufführung: die beunruhigenden Ähnlichkeiten zweier Epochen, geprägt von Hedonismus und politischer Instabilität.

Die Choreografie stellt das wilde Nachtleben des Weimarer Berlin dem Clubleben der Stadt im Jahr 2025 gegenüber. Beide Zeiten werden als Phasen des Exzesses dargestellt, in denen Vergnügen und Flucht vor der Realität tiefere gesellschaftliche Brüche überdecken. Doch das unerbittliche Hin und Her zwischen den Jahrzehnten verleiht dem Stück einen fast belehrenden Ton – als wolle es das Publikum drängen, die Wiederholung der Geschichte zu erkennen.

Macras' Rückkehr an die Volksbühne erfolgt nach einem umstrittenen Abschied unter dem früheren Intendanten Matthias Lilienthal. Sie beschrieb später, sich durch Führungswechsel am Theater von ihrem Berliner Publikum abgeschnitten gefühlt zu haben. Dennoch bleibt ihr Schaffen einflussreich, etwa durch jüngste Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur Giorgos Lanthimos.

Goodbye Berlin geht über bloße Nostalgie hinaus und verbindet ekstatische Bewegung mit düsteren Themen wie Vergänglichkeit und politischem Verfall. Das Ergebnis ist eine packende, wenn auch beunruhigende Verschmelzung von Tanz, Geschichte und dringendem Gesellschaftskommentar.

Die Aufführung hinterlässt beim Publikum eine schonungslose Reflexion über Berlins Vergangenheit und Gegenwart. Indem Macras Isherwoods Beobachtungen mit der heutigen politischen Lage verbindet, zwingt sie zur Auseinandersetzung mit unangenehmen Wahrheiten. Goodbye Berlin ist im Februar 2026 an der Volksbühne zu sehen – ein weiteres provokantes Kapitel in ihrer Karriere.