BayWa kämpft mit Schuldenabbau und Verkauf der Getreidesparte unter Zeitdruck
Christina JunitzBayWa kämpft mit Schuldenabbau und Verkauf der Getreidesparte unter Zeitdruck
BayWa AG treibt nach schwierigem Jahr große finanzielle Umstrukturierung voran
Der deutsche Mischkonzern BayWa AG hat zwei britische Solarparks veräußert und arbeitet nun unter Hochdruck an einem neuen Deal für seine Getreidehandels-Sparte. Die Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund stark rückläufiger Umsätze und regulatorischer Bedenken bei der Buchführung.
In den vergangenen Monaten verkaufte BayWa die beiden britischen Solarprojekte Clump Farm und Yanel Solar Farm an den Investmentmanager Capital Dynamics. Zusammen erzeugen die Anlagen über 121 Megawatt Strom. Der Verkauf entspricht der Unternehmensstrategie, entwickelte Assets zu veräußern, um Liquidität zu generieren.
Regulatorische und finanzielle Rückschläge verschärfen den Druck. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin beanstandete den Geschäftsbericht 2023 des Konzerns wegen festgestellter Fehler. Gleichzeitig scheiterte vorläufig ein geplanter Schuldenabbau in Höhe von 650 Millionen Euro, nachdem Finanzierungsprobleme den Verkauf der Getreidehandels-Tochter Cefetra verzögerten. Nun strebt BayWa an, bis Jahresende einen neuen Käufer zu finden. Ein konsortialgeführtes Geschäft soll die Schulden um mehr als 600 Millionen Euro reduzieren.
Die finanziellen Probleme von BayWa vertieften sich, nachdem verschärfte US-Regularien im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ rund 20 Prozent der Erlöse im Erneuerbare-Energien-Bereich kosteten. Daraufhin zog das Unternehmen seine Prognose für 2025 zurück. Eine Kapitalerhöhung im November brachte zwar 179 Millionen Euro ein und stabilisierte die Eigenkapitalbasis dank starker Investorennachfrage. Dennoch brach der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um 22,2 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro ein.
Die Sparmaßnahmen laufen bereits: Von den geplanten 1.300 Stellenstreichungen wurden rund 1.000 umgesetzt. Vorstandschef Frank Hiller übt scharfe Kritik an früheren Führungskräften und wirft ihnen vor, Eigeninteressen über die Stabilität des Unternehmens gestellt zu haben. Der Transformationsplan sieht eine drastische Schuldenreduzierung vor – von derzeit 5,4 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro bis 2028.
Die vollen Auswirkungen der US-Regularien werden voraussichtlich Anfang 2026 sichtbar. Kurzfristig konzentriert sich BayWa darauf, den Verkauf von Cefetra abzuschließen und die finanzielle Lage zu konsolidieren. Der Erfolg dieser Vorhaben wird entscheiden, ob die Schuldenziele und die Restrukturierung wie geplant verlaufen.






