Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert Publikum
Christina JunitzAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert Publikum
An der Berliner Staatsoper feierte eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die Sopranistin kehrte damit auf die Bühne zurück. Die Erstaufführung erntete sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelt Buhrufe aus dem Publikum. Vor dem Opernhaus demonstrierten etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen gegen Netrebkos angebliche Verbindungen zur russischen Führung.
Die fast dreistündige Vorstellung präsentierte Verdis klassische Oper in einer Neuinterpretation des Regisseurs Rafael R. Villalobos. Seine Inszenierung bezog Elemente der queeren Ballroom-Kultur und Anspielungen auf die AIDS-Krise ein und verleiht dem Werk aus dem 19. Jahrhundert damit eine moderne Schicht. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, übernahm die Hauptrolle – begleitet von anhaltenden Kontroversen über ihre früheren Kontakte zu Präsident Wladimir Putin.
Vor der Premiere hatten sich Demonstranten vor dem Gebäude versammelt und Sprüche wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" oder "Russland ist ein Terrorstaat" gerufen. Dennoch erhielt die Sängerin bei ihrem Auftritt warmen Beifall. Die Reaktionen des Publikums blieben gespalten: Einige feierten ihre Darstellung, andere äußerten deutlich ihre Ablehnung.
Elisabeth Sobotka, die Intendantin der Staatsoper, hatte sich vorab zu den Vorwürfen geäußert. Sie verwies darauf, dass sich Netrebko öffentlich von Russland distanziert habe und seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht dorthin zurückgekehrt sei. Die Inszenierung selbst wurde für Ensemble und Orchester mit starkem Applaus bedacht, während die Debatten um Netrebkos Auftreten weitergingen.
Es handelt sich um ihren ersten Auftritt an der Berliner Staatsoper seit dem Sommer 2023. Bis 2026 hatte sich die öffentliche Meinung in Deutschland gewandelt – viele rücken mittlerweile ihre künstlerische Leistung in den Vordergrund, statt ihre politischen Verstrickungen. Schon ihre Rückkehr an die Wiener Staatsoper 2025 hatte erneute Anerkennung ausgelöst, unterstützt von Medien wie der FAZ und einer Petition mit über 10.000 Unterschriften, die ihre Wiedereinladung auf deutsche Bühnen forderte.
Die Premiere zeigte sowohl die anhaltende Faszination für Netrebkos Talent als auch die fortbestehenden Spannungen um ihre Person. Während die Protestierenden an ihrer Ablehnung festhielten, bekräftigte die Oper ihr Festhalten an der Besetzung. Die Produktion bleibt Teil des Weihnachtsprogramms der Staatsoper – weitere Vorstellungen werden voraussichtlich zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen.






