30 January 2026, 23:15

Allgäu droht Ärztemangel: Fachbereiche wie Kardiologie besonders betroffen

Ein Flussdiagramm, das die verschiedenen Arten von medizinischen Kosten im Zusammenhang mit Vorerkrankungen, Gesundheit und Gesundheitsergebnissen darstellt, mit Boxen, die "Vorerkrankungen", "Gesundheit", "Versicherung" und "Kosten" beschriften und durch Pfeile verbunden sind und weiter in Unterabschnitte unterteilt sind.

Allgäu droht Ärztemangel: Fachbereiche wie Kardiologie besonders betroffen

Ärztemangel im Allgäu: Region kämpft gegen drohende Versorgungslücken

Die Region Allgäu in Bayern steht vor einem wachsenden Ärztemangel, da fast ein Drittel der praktizierenden Medizinerinnen und Mediziner kurz vor dem Renteneintritt steht. Zwar ist die medizinische Versorgung in der Gegend noch besser als in vielen anderen Regionen, doch zeigen sich bereits Lücken in zentralen Fachbereichen wie Neurologie, Psychiatrie und Kardiologie. Lokale Behörden und Gesundheitsexperten haben nun Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu entschärfen, bevor sie sich weiter verschärft.

Ein beträchtlicher Teil der Ärzteschaft im Allgäu ist 60 Jahre oder älter – eine Entwicklung, die Sorgen um die künftige Personaldecke aufkommen lässt. In einigen Disziplinen ist die Lage bereits kritisch: In der Lungenheilkunde, Neurologie und Kardiologie gibt es unbesetzte Stellen, und auch die Psychiatrie kämpft mit der Besetzung von Planstellen, was für Patienten längere Wartezeiten auf Facharzttermine bedeutet.

Das Problem wird durch übergeordnete Trends in Deutschland verschärft. Mehr Ärztinnen und Ärzte verlassen das Land, als neu hinzukommen, und die Medizinfakultäten bringen heute weniger Absolventen hervor als in früheren Jahrzehnten. Allein im Oberallgäu scheiden in diesem Jahr zwei Internisten aus, die bisher Darmspiegelungen durchführten – zurück bleiben nur eine Praxis und ein Krankenhaus, die den Eingriff anbieten. Gleichzeitig laufen Sondergenehmigungen aus, die Internisten die Durchführung von Endoskopien erlaubten, was den Bedarf an spezialisierten Gastroenterologen erhöht.

Um den Mangel zu bekämpfen, haben lokale Verantwortliche und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) neue Schritte eingeleitet. Seit 2023 sollen Investitionen in digitale Terminvergabe und Telemedizin die Wartezeiten verkürzen. Finanzielle Anreize, wie Zuschüsse für die Einstellung von Medizinischen Fachangestellten bis 2025, sind ebenfalls Teil der Strategie. Langfristig sind der Ausbau von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sowie EU-geförderte Rekrutierungskampagnen für Fachärzte bis 2030 geplant.

Fachleute schlagen vor, dass attraktivere und bezahlbare Praxisräume helfen könnten, Hausärztinnen und Hausärzte zu gewinnen und zu halten. Ein diskutiertes Modell der primärärztlichen Versorgung könnte zudem den Druck auf Fachärzte verringern, indem Patientinnen und Patienten von vornherein zum richtigen Ansprechpartner gelangen. Doch das traditionelle Einzelpraxis-Modell verliert an Bedeutung – und nicht jede Gemeinde wird künftig alle Hausarztstellen besetzen können.

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Trotz der noch vergleichsweise guten Versorgungssituation im Allgäu gerät das System zunehmend unter Druck. Ohne weitere Gegenmaßnahmen könnten die anstehende Rentnerwelle und der anhaltende Ärztemangel den Zugang zu medizinischer Versorgung einschränken. Die aktuellen Initiativen setzen auf digitale Lösungen, finanzielle Unterstützung und gezielte Nachwuchsgewinnung, um eine Verschärfung der Lage in den kommenden Jahren zu verhindern.