2035er Verbrenner-Verbot: Warum Deutschland jetzt umsteuern will
Deutschlands geplantes EU-Verbot für Verbrenner ab 2035 stößt auf massiven Widerstand. Führende Politiker und Ökonomen drängen nun auf Alternativen und warnen, der aktuelle Kurs könnte nach hinten losgehen. Die Debatte erreicht diese Woche in einer Sitzung des Koalitionsausschusses einen entscheidenden Punkt.
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, fordert eine vollständige Abschaffung des Verbots. Er argumentiert, dass ältere, weniger effiziente Fahrzeuge durch die Regelung länger auf den Straßen bleiben müssten – was die Emissionen sogar erhöhen könnte. Stattdessen schlägt Fuest vor, den Straßenverkehr vollständig in den EU-Emissionshandel für CO₂ einzubinden. Dadurch würden Spritpreise und CO₂-Kosten steigen, was Autofahrer dazu bringen würde, stark verschmutzende Fahrzeuge schneller auszutauschen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnt das Verbot seit Langem ab. Seine Position deckt sich mit der von Manfred Weber (CSU), dem Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Weber will das Ziel einer 100-prozentigen Emissionsreduktion durch eine 90-prozentige Senkung ersetzen – Verbrennermotoren wären dann weiter erlaubt, sofern ihre Emissionen durch E-Fuels oder "grünen" Stahl ausgeglichen werden. Auch die Bundesregierung sowie CDU-Chef Friedrich Merz unterstützen eine Zulassung solcher Technologien über 2035 hinaus. Die Grünen kritisieren diese Pläne als Verwässerung der Klimaziele. Doch mittlerweile befürworten auch EU-Kommissionsvize Stéphane Séjourné und Klimakommissar Wopke Hoekstra den 90-Prozent-Kompromiss. Über die deutsche Haltung zum Verbot wird am Donnerstagabend im Koalitionsausschuss entschieden.
Das Ergebnis der Sitzung könnte Deutschlands Position in Brüssel prägen. Sollte sich die Regierung für eine Abschaffung des 2035er-Verbots einsetzen, könnte dies die EU-Politik in Richtung eines flexibleren Emissionsansatzes lenken. Die endgültige Entscheidung wird zeigen, ob Verbrennermotoren auch nach dem aktuellen Stichtag noch eine Option bleiben.






